PELARON Academy

Segeln lernen,
der Reihe nach.

Von den ersten Begriffen bis zum sicheren Törn – in vier Stufen

Wissen · Academy

GrundlagenManöverSicherheitLesezeit 18 Min

Segeln lässt sich nicht auswendig lernen, aber die Sprache und die Zusammenhänge dahinter schon. Wer weiß, was Luv bedeutet und warum ein Boot nicht gegen den Wind fährt, versteht auf dem Wasser sehr viel schneller, was gerade passiert.

Diese Seite ist als Reihenfolge gedacht. Jede Stufe setzt die vorige voraus. Wer schon segelt, springt direkt zu dem, was fehlt.

  1. Grundlagen und SeemannschaftBootsteile, Fachbegriffe, Kurse zum Wind – die Sprache an Bord.
  2. Manöver und PraxisWende, Halse, Segel setzen und bergen, An- und Ablegen.
  3. Sicherheit und WetterRettungsmittel, Mann über Bord, Windstärken, Wolken lesen.
  4. Bordbetrieb dokumentierenLogbuch, Wartung, Fristen, Crew – wenn das Segeln selbst sitzt.
Was diese Seite nicht ist

Ein Ersatz für eine Ausbildung. Manöver, Notfälle und der Umgang mit dem Schiff lassen sich nur auf dem Wasser lernen, unter Anleitung und mit Wiederholung. Was hier steht, bereitet vor und ordnet – es qualifiziert nicht.

Stufe 1 · Grundlagen und Seemannschaft

An Bord gibt es für fast alles ein eigenes Wort. Das ist keine Folklore: Die Begriffe sind eindeutig und drehen sich nicht mit, wenn jemand den Kopf wendet. „Links“ hängt davon ab, wo man steht – Backbord nicht.

Das Schiff und seine Teile

BegriffBedeutung
BugDas vordere Ende des Schiffs
HeckDas hintere Ende
BackbordLinks in Fahrtrichtung, Kennfarbe Rot
SteuerbordRechts in Fahrtrichtung, Kennfarbe Grün
LuvDie Seite, von der der Wind kommt
LeeDie windabgewandte Seite
MastDer stehende Träger des Riggs
BaumDer waagerechte Spiere am Unterliek des Großsegels
GroßsegelDas Segel hinter dem Mast
VorsegelFock oder Genua – das Segel vor dem Mast
FallLeine, die ein Segel nach oben zieht
SchotLeine, die ein Segel dichtholt oder fiert
KrängungDie Neigung des Schiffs zur Seite
ReffenDie Segelfläche verkleinern
DichtholenDie Schot durchsetzen, das Segel näher an die Mitte holen
FierenEine Leine kontrolliert nachlassen

Wie ein Boot zum Wind steht

Ein Segelboot kann nicht direkt gegen den Wind fahren. Der Bereich von etwa 45 Grad zu beiden Seiten der Windrichtung ist nicht segelbar – dort killen die Segel und das Boot bleibt stehen. Alles außerhalb dieses Sektors ist ein Kurs.

KursWinkel zum WindWas passiert
Im Wind0°–45°Nicht segelbar, Segel killen
Am Windca. 45°Segel dicht, größte Krängung, langsam über Grund
Halber Windca. 90°Meist der schnellste und angenehmste Kurs
Raumschotsca. 135°Segel weit gefiert, ruhige Fahrt
Vor dem Wind180°Wind von achtern, wenig Krängung, Gefahr der Patenthalse

Anluven heißt: den Bug näher an den Wind drehen. Abfallen heißt das Gegenteil – vom Wind weg. Beide Begriffe beschreiben nicht Backbord oder Steuerbord, sondern immer die Bewegung relativ zum Wind. Deshalb funktionieren sie auf jedem Kurs.

Die eine Frage, die immer zuerst kommt

Woher weht der Wind? Wer das an Bord jederzeit beantworten kann – am Verklicker, an den Wellen, im Gesicht –, versteht jedes Manöver von selbst. Wer es nicht kann, lernt Abläufe auswendig und ist bei der ersten Abweichung verloren.

Stufe 2 · Manöver und Praxis

Wende und Halse

Beides sind Kurswechsel, bei denen der Wind die Seite wechselt. Der Unterschied liegt darin, welches Ende des Schiffs durch den Wind geht.

Bei der Wende dreht der Bug durch den Wind. Das Boot verlangsamt kurz, die Segel killen, dann füllen sie sich auf der anderen Seite. Das übliche Kommando lautet „Klar zur Wende“ – Antwort der Crew – dann „Ree“.

Bei der Halse geht das Heck durch den Wind. Das Boot bleibt schnell, aber der Baum schlägt mit Kraft auf die andere Seite. Deshalb wird die Großschot vorher dichtgeholt und kontrolliert wieder gefiert. Eine unbeabsichtigte Halse – die Patenthalse – ist eine der häufigsten Ursachen für Kopfverletzungen und Riggschäden an Bord.

Segel setzen und bergen

  1. Vorbereiten: Persenning ab, Fallen und Schoten klarieren, Reffleinen kontrollieren.
  2. In den Wind drehen, damit das Großsegel ohne Druck hochgeht.
  3. Großfall dichtholen, bis die Falten am Vorliek verschwinden. Nicht überziehen.
  4. Abfallen auf den gewünschten Kurs, dann Vorsegel ausrollen oder setzen.
  5. Trimmen: Schoten so weit dichtholen, dass die Segel gerade nicht mehr killen.
  6. Zum Bergen die Reihenfolge umkehren – Vorsegel zuerst, Großsegel im Wind zuletzt.

Wer refft, tut das früher, als es sich anfühlt. Die alte Regel gilt weiterhin: Wenn du darüber nachdenkst, ob du reffen solltest, ist der Moment schon da.

An- und Ablegen

Im Hafen entscheidet die Vorbereitung, nicht das Können am Ruder. Festmacher und Fender liegen fertig, bevor die Hafeneinfahrt erreicht ist. Jede Person an Bord weiß vorher, welche Leine sie nimmt und auf welcher Seite angelegt wird.

Wind und Strom wirken auch bei langsamer Fahrt. Ein Schiff, das im Hafen zu langsam wird, lässt sich nicht mehr steuern – gerade so viel Fahrt wie nötig, aber nicht weniger. Und niemand hält ein treibendes Boot mit den Händen auf; dafür sind Leinen und Fender da.

Stufe 3 · Sicherheit und Wetter

Rettungsmittel und Mann über Bord

Rettungswesten werden vor dem Ablegen angepasst, nicht im Ernstfall. Automatikwesten brauchen eine regelmäßige Prüfung von Patrone und Auslöser – eine Weste mit verbrauchter Patrone ist ein Kleidungsstück.

  1. Laut rufen: „Mann über Bord“. Alle an Bord müssen es hören.
  2. Rettungsmittel sofort werfen – es markiert zugleich die Stelle.
  3. MOB-Taste am Plotter drücken, damit die Position gespeichert ist.
  4. Eine Person übernimmt ausschließlich den Ausguck und zeigt dauerhaft auf die Person im Wasser.
  5. Manöver fahren und mit möglichst wenig Fahrt annähern. Die Aufnahme erfolgt immer an der Luvseite – die Person liegt also auf der Seite, von der der Wind kommt.
  6. Bergehilfe vorbereiten. Eine erschöpfte Person kommt nicht aus eigener Kraft an Bord.
Warum in Luv und nicht in Lee

Ein treibendes Boot wird vom Wind nach Lee versetzt. Läge die Person auf der Leeseite, würde das Schiff genau auf sie zugeschoben – mit dem Rumpf voran und ohne die Möglichkeit, das kurzfristig zu stoppen. Deshalb wird immer so manövriert, dass die Person in Luv liegt.

Geübt oder nicht geübt

Dieses Manöver funktioniert im Ernstfall nur, wenn es vorher bei ruhigen Bedingungen mehrfach gefahren wurde – mit jeder Person an Bord am Ruder, nicht nur mit dem Skipper.

Windstärken einschätzen

Die Beaufort-Skala beschreibt nicht den Wind, sondern seine sichtbaren Auswirkungen. Genau deshalb ist sie an Bord nützlich: Man kann sie ohne Instrument anwenden.

BftKnotenBezeichnungWoran man es sieht
0–1unter 4Windstille, leiser ZugSpiegelglatt bis leichte Kräuselwellen
24–6Leichte BriseKleine kurze Wellen, Boot nimmt Fahrt auf
37–10Schwache BriseErste Schaumköpfe, angenehmes Segeln
411–16Mäßige BriseRegelmäßige Schaumköpfe, spürbare Krängung
517–21Frische BriseÜberall Schaumköpfe, erstes Reff sinnvoll
622–27Starker WindGrößere Wellen, Gischt, deutlich gerefft
728–33Steifer WindWeißer Schaum in Streifen, anstrengend für die Crew
834–40Stürmischer WindHohe Wellenberge, Gischt weht ab – kein Revier für Fahrtenyachten ohne Not
9–12ab 41Sturm bis OrkanSichtbeeinträchtigung durch Gischt, Seenotbedingungen

Wolken lesen

Die Vorhersage sagt, was kommen soll. Der Himmel sagt, was gerade passiert – und er ist schneller.

BeobachtungWas sie meist bedeutet
Cirrus, hohe FederwolkenWarmfront in 12 bis 24 Stunden, Wind dreht und frischt auf
Zunehmend milchiger Himmel, Halo um die SonneDie Front nähert sich, Druck fällt
Gleichmäßig graue SchichtwolkenAnhaltender Regen, meist gleichbleibender Wind
Aufquellende Haufenwolken mit dunkler BasisSchauer und Böen, kurzzeitig deutlich mehr Wind
Ambossförmige Wolke am HorizontGewitter – Böen aus wechselnder Richtung, rechtzeitig Segel bergen

Der schnelle Druckabfall ist das verlässlichste Warnzeichen an Bord: Fällt der Luftdruck innerhalb von drei Stunden deutlich, ändert sich das Wetter – unabhängig davon, was die letzte Vorhersage gesagt hat.

Für die Planung lohnt der Blick auf mehrere Wettermodelle. Wenn ECMWF, ICON und GFS dasselbe zeigen, ist die Lage stabil. Weichen sie voneinander ab, ist die Vorhersage unsicher – und das ist eine Information für sich.

Drei Modelle nebeneinander

PELARON zeigt die Vorhersage von ECMWF, ICON und GFS im direkten Vergleich, dazu Luftdruckverlauf und Bewölkung für den geplanten Zielhafen.

Wetter öffnen

Wetterdaten benötigen eine Verbindung. Logbuch, Wartung und Bordkasse funktionieren offline weiter.

Stufe 4 · Bordbetrieb dokumentieren

Wer sicher segelt, hat den zweiten Teil noch vor sich: das Boot über Jahre in Ordnung halten. Dazu gibt es auf PELARON ausführliche Beiträge.

Checklisten zum Mitnehmen

Frühjahrscheck, Winterlager, Wartungsplan, Sicherheitscheck und Packlisten liegen als Vorlagen bereit – gedacht zum Ausdrucken und Abhaken, nicht zum Durchlesen.

Zu den Downloads

Wissenstest

Zehn Fragen aus den Stufen 1 bis 3. Die Auflösung erscheint direkt nach der Antwort, ohne Konto und ohne Auswertung an anderer Stelle – der Test läuft vollständig in diesem Browser.

Zehn Fragen

Noch keine Frage beantwortet.

Videos folgen später

Bewegtbild zu Manövern ist geplant, aber es gibt noch keines. Statt Platzhalter zu setzen, steht hier vorerst nur, was tatsächlich vorhanden ist.