Bluebaerry
Prospect 900, Baujahr 1980 – das Boot, sein Ausbau und der Zustand bei der Übernahme
Refit Bluebaerry · Kapitel 0 · Bootsporträt
Bevor es in den sieben Kapiteln um Schleifstaub, Dichtmasse und Kabelquerschnitte geht, gehört das Boot selbst vorgestellt: Bluebaerry ist eine Prospect 900 nach einem Entwurf von E. G. van de Stadt – gebaut 1980 in England, übernommen im Herbst 2022. Dieses Kapitel zeigt, was für ein Boot das ist, wie es aufgeteilt ist und warum daraus ein Refit-Projekt wurde.
Bluebaerry auf einen Blick
- Typ
- Prospect 900
- Konstrukteur
- E. G. van de Stadt (Entwurf Nr. 262 „Prospect")
- Werft
- Rydgeway Marine, Oulton Broad, England
- Baujahr
- 1980
- Material
- GFK
- Motor
- Volvo Penta MD7A (Zweikreiskühlung)
- Rigg
- Masthead-Slup
- Kiel
- Festkiel
- Länge über alles
- 9,20 m (mit Bugspriet und angehängtem Ruder)
- Breite
- 2,80 m
- Tiefgang
- 1,50 m
- Wasserlinie
- 6,83 m
- Verdrängung
- 3.300 kg
- Ballast
- 1.400 kg (42 Prozent)
- Segelfläche
- 27 m² (Groß und Fock)
- Frischwasser
- 120 Liter
- Kojen
- 5
Breite, Tiefgang, Verdrängung und Segelfläche sind Typdaten aus dem Van-de-Stadt-Verzeichnis und von sailboatdata – beide Quellen stimmen darin überein. Die Länge über alles und der Wasserinhalt sind an Bluebaerry gemessen.
Eine Anmerkung zur Länge
Sie erklärt, warum Datenblätter zu Bluebaerry nicht passen:
8,30 m nennt das Van-de-Stadt-Verzeichnis – die Rumpflänge nach Konstruktionszeichnung.
8,79 m nennen Wikipedia und sailboatdata – die Länge einer Serienausführung ohne Anbauten.
9,20 m misst Bluebaerry über alles, mit Bugspriet und angehängtem Ruder.
Drei Zahlen, kein Widerspruch – drei verschiedene Maße. Für den Bordalltag zählt die letzte: Nach der Länge über alles rechnet jeder Hafen ab, und danach richtet sich, ob ein Liegeplatz überhaupt passt. Wer eine Prospect 900 kauft, sollte deshalb selbst messen, statt einer Tabelle zu glauben – zumal nicht jede einen Bugspriet hat.
Die Prospect 900
Der Entwurf stammt von Ericus Gerhardus van de Stadt, einem der einflussreichsten Yachtkonstrukteure des 20. Jahrhunderts. Er steht im offiziellen Verzeichnis seines Büros als Nr. 262 „Prospect", GFK, Entwurfsjahr 1974.
Gebaut wurde sie bei Rydgeway Marine in Oulton Broad, England – einer Werft, die auch die kleinere Pandora-Reihe fertigte. Die Prospect 900 ist deren größere Schwester: mehr Stehhöhe, eine eigene Nasszelle und ausgelegt für Fahrtensegeln, nicht nur für Tagestörns. Van de Stadts Handschrift ist erkennbar: klare Linien, seetüchtig, ohne überladen zu sein.
Was die Zahlen sagen: 1.400 Kilogramm Ballast bei 3.300 Kilogramm Verdrängung sind 42 Prozent – ein hoher Wert. Das Boot ist steif, es trägt seine Segel also weit in auffrischenden Wind, bevor gerefft werden muss. Bei 27 Quadratmetern Segelfläche ist es dabei nicht übertakelt.
Gebaut wurde der Typ in zwei Ausführungen: mit Fin-Kiel oder mit Kimmkiel für Reviere, die trockenfallen. Bluebaerry hat den Festkiel.
Ein Hinweis für alle, die selbst suchen: Wikipedia führt die Prospect 900 als Hubkiel-Boot – das trifft auf keine der beiden gängigen Ausführungen zu. Auch der dort genannte Volvo MD5A ist nicht der einzige verbaute Motor; Bluebaerry hat einen MD7A. Bei einem Typ, der über zehn Jahre gebaut wurde, sind Datenblätter Anhaltspunkte, keine Wahrheit.
Der Ausbau von Bluebaerry
Nicht jede Prospect 900 ist gleich. Bluebaerry hat einen Innenausbau, der auf 9,20 Metern erstaunlich viel unterbringt. Von vorn nach achtern:
Vorschiff: Eine Doppelkoje. Darunter liegt der Trinkwassertank mit 120 Litern – tief und mittig, also genau dort, wo Gewicht am wenigsten stört.
Dahinter, gegenüberliegend: An einer Seite Toilette und Waschbecken, an der anderen ein Kleiderschrank. Für ein Boot dieser Größe ist eine getrennte Nasszelle keine Selbstverständlichkeit.
Salon: Eine U-förmige Sitzgruppe, an Backbord die Küchenzeile. Der Tisch lässt sich absenken – daraus werden zwei weitere Schlafplätze.
Unter der Backbord-Cockpitbank: Die Hundekoje. Die geschützteste Koje an Bord, wenn es unruhig wird.
Macht fünf Schlafplätze: zwei im Vorschiff, zwei im abgesenkten Salon, eine in der Hundekoje. Auf einem Boot von neun Metern ist das mehr, als man von außen vermutet. Bemerkenswert dabei: Die Datenblätter des Typs nennen ebenfalls fünf Kojen. Der Ausbau von Bluebaerry entspricht also dem, was die Werft vorgesehen hat – hier hat niemand nachträglich Kojen eingebaut, van de Stadt hat den Raum von Anfang an so aufgeteilt.
Wie sich der Ausbau heute anfühlt, zeigt der Rundgang aus dem Frühjahr 2025:
Frühjahr 2025: Rundgang unter Deck.
Polster, Holz, Feuchtigkeit, Gerüche: [wird ergänzt – das kann nur beschreiben, wer drin gestanden hat]
Der Motor
Ein Volvo Penta MD7A mit Zweikreiskühlung, Antrieb über Welle. Das Seewasser kühlt dabei über einen Wärmetauscher, der Motor selbst fährt im geschlossenen Kühlmittelkreis – eine Bauweise, die den Block vor Salzwasser schützt.
Wichtig für alle, die selbst eine Prospect 900 ansehen: In Datenbanken steht als typischer Motor oft ein MD5A. Bluebaerry hat einen MD7A – was zeigt, dass die Motorisierung über die Bauzeit variierte. Wer Ersatzteile sucht, sollte am Typenschild nachsehen, nicht in einer Tabelle.
Zustand bei der Übernahme, bekannte Wartungshistorie, offene Fragen: [wird ergänzt] – die Bestandsaufnahme mit Bildern steht in Kapitel 7.
Übernahme und Gutachten, Herbst 2022
Welche Baustellen absehbar waren, welche sich erst später zeigten: [wird ergänzt] – das ist der Teil, den kein anderes Bautagebuch hat.
Warum das Refit nötig wurde
Ein Boot von 1980 ist über vierzig Jahre alt. Was das konkret bedeutete, steht in den sieben Kapiteln des Bautagebuchs:
Rumpf und Unterwasserschiff
Schleifen, Grundieren, neuer Lackaufbau und Antifouling.
Zum Kapitel → KAPITEL 2Borddurchführungen und Seeventile
Jedes Loch vermessen, bewertet und erneuert.
Zum Kapitel → KAPITEL 3Elektrik und Landstrom
Bestandsaufnahme einer gewachsenen Anlage.
Zum Kapitel → KAPITEL 4Solar und Energieversorgung
Flach installierte, begehbare Module an Deck.
Zum Kapitel → KAPITEL 5Fenster, Luken und Innenausbau
Dämmung, neuer Himmel, weiße Decken, neue Matratzen.
Zum Kapitel → KAPITEL 6Segel, Rigg und Decksausrüstung
Teakdeck, Beschläge, Cockpitbelag – und neue Segel.
Zum Kapitel → KAPITEL 7Motor, Probefahrt und erste Saison
Der alte Diesel, ein erster Service, die erste Saison.
Zum Kapitel →Was musste zuerst, was konnte warten, was kam ungeplant dazu: [wird ergänzt]
Das Ziel
Ein zuverlässiges, vollständig dokumentiertes Fahrtenboot – und zugleich der Prüfstand für PELARON. Jede Funktion der App wird an Bluebaerry benutzt, bevor sie erscheint.
Wenn ein Wartungseintrag umständlich ist, merkt man das nicht in einer Besprechung, sondern wenn man im Motorraum steht und die Hände ölig sind.