Saison · Wartung und Saisonstart
Die erste Fahrt nach dem Winterlager ist kein Törn, sondern eine Prüfung. Sie sollte entsprechend geplant werden: bei gutem Wetter, in Hafennähe, mit ausreichend Zeit und ohne Gäste, die unterhalten werden wollen.
Vor dem Ablegen
Nach der Wasserung gehört ein Kontrollgang durch alle Bereiche, in denen Wasser eintreten kann: Stopfbuchse, Seeventile, Ruderkoker, Log- und Echolotgeber, Sanitärleitungen. Die meisten Undichtigkeiten zeigen sich in den ersten Stunden – nicht nach Wochen.
Der Motor sollte im Hafen warmlaufen, bevor abgelegt wird. Beobachtet werden der Kühlwasseraustritt am Auspuff, die Temperaturentwicklung und ungewohnte Geräusche.
Unter Motor
Die Prüfung unter Last ist der eigentliche Zweck. Wichtig sind: Erreicht der Motor die Nenndrehzahl? Bleibt die Temperatur stabil? Stimmt die Ladespannung? Arbeitet das Getriebe in beiden Richtungen sauber, und lässt sich der Rückwärtsgang ohne Verzögerung einlegen?
Wird die Nenndrehzahl nicht erreicht, liegt die Ursache meist nicht im Motor, sondern beim Propeller, beim Bewuchs oder bei einem verstopften Kraftstofffilter.
Unter Segeln
Segel einmal vollständig setzen und bergen, Reffen auf beiden Bugen durchspielen, alle Schotwege beobachten. Die Selbststeueranlage sollte unter Motor und unter Segeln getestet werden. Instrumente auf Plausibilität prüfen – ein Log, das im Hafen null anzeigt, aber unter Fahrt seltsame Werte liefert, ist meist bewachsen.
Die Probefahrt ist der beste Anlass, das Manöver zu üben – mit einem Fender an einer Leine, in ruhigem Wasser und bei bekannter Crew. Wer es einmal in der Saison geübt hat, handelt im Ernstfall anders als jemand, der es nur theoretisch kennt.
Nach der Rückkehr
Erneuter Kontrollgang, diesmal mit dem Wissen aus der Fahrt. Bilge prüfen, Motorraum auf frische Spuren absuchen, alle Verbindungen kontrollieren, die unter Last standen. Was jetzt gefunden wird, lässt sich vor dem ersten richtigen Törn noch beheben.
Notieren, solange es frisch ist
Erreichte Höchstdrehzahl, Betriebstemperatur, Ladespannung, alle Auffälligkeiten und die Punkte, die beobachtet werden sollen. Diese Werte sind die Vergleichsbasis für den Rest der Saison – eine schleichende Verschlechterung erkennt nur, wer weiß, wie es im Frühjahr war.
Die Kennwerte der Probefahrt gehören ins Logbuch – dann steht im August fest, ob eine abweichende Temperatur oder Drehzahl neu ist oder schon immer so war.
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