Technik · Bordelektrik
Galvanische Korrosion entsteht, wenn zwei unterschiedliche Metalle im Elektrolyt Meerwasser leitend verbunden sind. Am Liegeplatz liefert der Landstromanschluss genau diese Verbindung – und zwar nicht nur zum Steg, sondern zu jedem anderen Boot am selben Netz.
Das Grundprinzip
Verschiedene Metalle haben unterschiedliche elektrische Potenziale. Sind sie im Wasser leitend verbunden, fließt ein kleiner Strom, und das unedlere Metall löst sich auf. Genau das ist der Zweck einer Opferanode: Sie ist unedler als Propeller und Welle und wird stellvertretend abgetragen.
Was der Landstrom ändert
Der Schutzleiter des Landanschlusses verbindet die metallischen Teile deines Bootes mit denen aller anderen Boote am selben Netz. Das ist elektrisch richtig und sicherheitstechnisch gewollt – schafft aber einen Pfad, über den galvanische Ströme fließen können.
Die Folge: Deine Anoden schützen möglicherweise nicht nur dein Boot, sondern auch das des Nachbarn. Ein ungewöhnlich schneller Anodenverbrauch am Liegeplatz ist ein typisches Anzeichen.
Es kursiert der Rat, gegen dieses Problem einfach den Schutzleiter aufzutrennen. Das ist lebensgefährlich. Der Schutzleiter ist der Teil, der im Fehlerfall verhindert, dass Gehäuse unter Spannung stehen.
Die richtigen Lösungen heißen Galvanischer Isolator oder Trenntransformator. Beide erhalten die Schutzfunktion und unterbrechen zugleich den galvanischen Pfad – der Trenntransformator vollständig, der Isolator für kleine Gleichspannungen.
Streustromkorrosion – der schnellere Bruder
Von der galvanischen Korrosion zu unterscheiden ist Korrosion durch Streuströme: Strom aus einem Fehler in der Bordelektrik findet seinen Weg durch das Wasser. Der Schaden entsteht dabei um Größenordnungen schneller – Wochen statt Jahre.
Typische Ursachen sind beschädigte Isolierungen in der Bilge, feuchte Klemmstellen und falsch verlegte Minusleitungen. Ein plötzlich stark erhöhter Anodenverbrauch ohne erkennbaren Anlass gehört ernst genommen.
Was sich beobachten lässt
Drei Dinge sind ohne Messgeräte auffällig: Anoden, die deutlich schneller verschwinden als in den Vorjahren. Beschläge unter Wasser mit rosafarbener oder poröser Oberfläche. Und Blasenbildung im Anstrich rund um metallische Teile.
Wer es genauer wissen will, misst mit einer Referenzelektrode das Potenzial des Bootes im Wasser – üblich bei anhaltenden Problemen und beim Verdacht auf Streuströme aus der Umgebung.
Was dokumentiert gehört
Der Anodenverbrauch je Saison, mit Datum und geschätztem Abtrag. Ohne diese Reihe lässt sich nicht beurteilen, ob ein Verbrauch normal oder auffällig ist – und genau diese Beurteilung ist der einzige Frühwarnwert, den man ohne Messtechnik hat.
Anoden lassen sich in PELARON als Bauteile mit Prüfintervall führen. Der Zustand bei jeder Kontrolle daneben – daraus wird sichtbar, ob sich etwas verändert hat.
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