Technik · Bordelektrik
Der häufigste Denkfehler bei Bordelektrik steckt schon im Sprachgebrauch. Eine Sicherung ist nicht dazu da, das angeschlossene Gerät zu retten. Sie ist dazu da, zu verhindern, dass das Kabel brennt.
Was daraus folgt
Die Sicherung richtet sich nach dem Kabel, nicht nach dem Verbraucher. Ein dünnes Kabel mit einer zu großen Sicherung kann im Kurzschlussfall glühen, ohne dass die Sicherung auslöst. Ein Gerät geht dabei ohnehin kaputt – ein brennendes Kabel hinter der Verkleidung kostet das Boot.
Zweite Folge: Die Sicherung gehört so nah wie möglich an die Stromquelle. Sie schützt alles, was hinter ihr liegt – nicht das Stück davor. Ein Pluskabel, das ungesichert von der Batterie weggeht, ist die gefährlichste Einzelstelle einer Bordelektrik.
Wie der Querschnitt bestimmt wird
Zwei Kriterien müssen beide erfüllt sein.
Strombelastbarkeit. Das Kabel muss den dauerhaften Strom tragen können, ohne unzulässig warm zu werden. In Bündeln und in warmer Umgebung – etwa im Motorraum – sinkt die zulässige Belastung.
Spannungsfall. Meist ist dies das strengere Kriterium. Der Spannungsverlust über die Leitung wächst mit der Länge und dem Strom und sinkt mit dem Querschnitt.
Spannungsfall in Volt = 2 × Länge in Metern × Strom in Ampere × 0,0175 ÷ Querschnitt in mm²
Die 2 steht für Hin- und Rückleitung, der Wert 0,0175 ist der spezifische Widerstand von Kupfer. Ergebnis durch die Systemspannung teilen ergibt den prozentualen Spannungsfall.
Als Richtwert: bis drei Prozent für sicherheitsrelevante Verbraucher wie Navigationslichter, Funk und Bilgenpumpen. Bis zehn Prozent sind bei unkritischen Verbrauchern vertretbar.
Ein Rechenbeispiel
Eine Ankerwinde am Bug, zehn Meter Kabelweg, 80 Ampere unter Last, 2,5 mm² Querschnitt: 2 × 10 × 80 × 0,0175 ÷ 2,5 ergibt 11,2 Volt Spannungsfall. Bei einem 12-Volt-System kommt damit praktisch nichts an. Mit 50 mm² sind es 0,56 Volt – rund fünf Prozent, für diesen Zweck vertretbar.
Das Beispiel zeigt, warum Kabel an Bord so viel dicker aussehen als erwartet.
Material und Verarbeitung
An Bord gehört feindrähtiges Kupferkabel, idealerweise verzinnt – massive Leiter brechen durch Vibration. Verbindungen werden gecrimpt, nicht gelötet: Eine Lötstelle wird durch Vibration spröde und bricht am Übergang.
Jede Verbindung braucht Zugentlastung und Schutz vor Feuchtigkeit. Schrumpfschlauch mit Innenkleber ist an Bord der Normalfall, nicht die Ausnahme.
Was dokumentiert gehört
Für jeden Stromkreis: Verbraucher, Sicherungswert, Querschnitt und wo die Sicherung sitzt. Diese Liste sucht man genau dann, wenn etwas ausgefallen ist – meist nachts und meist in einer schlecht zugänglichen Ecke.
Sicherungswerte, Querschnitte und der Ort jeder Sicherung lassen sich in PELARON je Bauteil hinterlegen – abrufbar auch dann, wenn die Beschriftung am Verteiler längst verblasst ist.
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