Bordelektrik

Batteriearten auf Segelyachten

Was man wirklich entnehmen darf – und warum die aufgedruckte Zahl täuscht

Technik · Bordelektrik

ElektrikGrundlagenLesezeit 7 Min

Die aufgedruckte Kapazität ist nicht die nutzbare. Wie viel davon tatsächlich zur Verfügung steht, hängt vom Batterietyp ab – und die Unterschiede sind groß genug, um jede Energieplanung zu kippen.

Entladetiefe – die entscheidende Größe

Jede Batterie altert schneller, je tiefer sie regelmäßig entladen wird. Bei Bleibatterien ist die Grenze früh erreicht: Wer dauerhaft mehr als etwa die Hälfte entnimmt, verkürzt die Lebensdauer erheblich. Lithium-Eisenphosphat verträgt deutlich tiefere Entladung.

Praktisch heißt das: Eine 200-Ah-Bleibatterie liefert nutzbar rund 100 Ah. Eine 100-Ah-LiFePO4-Batterie liefert nutzbar oft mehr als 80 Ah. Die kleinere Batterie kann also die größere ersetzen.

Die Typen im Vergleich

TypMerkmaleZu beachten
NassbatterieGünstig, bewährt, robust gegen LadefehlerWartung nötig, muss aufrecht stehen, gast beim Laden
AGMWartungsfrei, lageunabhängig, hohe StrömeEmpfindlicher gegen Überladung als Nassbatterien
GelWartungsfrei, gutmütig bei langsamer EntladungVerträgt hohe Ladeströme schlecht
LiFePO4Hohe nutzbare Kapazität, leicht, viele ZyklenBraucht Batteriemanagement, Laden bei Frost problematisch, höhere Anschaffung
Der Wechsel ist mehr als ein Tausch

Ein Umstieg auf Lithium ist keine Ersetzung eines Bauteils, sondern ein Eingriff in die ganze Anlage. Ladegerät, Lichtmaschinenregelung, Solarregler und Trennrelais müssen zur neuen Chemie passen. Ein Ladegerät mit Blei-Kennlinie lädt eine Lithiumbatterie nie voll oder belastet sie falsch.

Dazu kommt das Verhalten bei Kälte: Laden unterhalb des Gefrierpunkts schädigt Lithium-Eisenphosphat dauerhaft. Ein geeignetes Batteriemanagement verhindert das, muss aber vorhanden sein.

Warum Spannung wenig aussagt

Bei Blei lässt sich aus der Ruhespannung grob auf den Ladezustand schließen. Bei LiFePO4 funktioniert das kaum: Die Spannung bleibt über weite Teile des Ladebereichs nahezu konstant und fällt erst am Ende ab. Wer den Ladezustand kennen will, braucht dort einen Amperestundenzähler – eine Spannungsanzeige führt in die Irre.

Alter und Zyklen

Batterien altern doppelt: durch Nutzung und durch Zeit. Eine wenig genutzte Batterie ist nach Jahren trotzdem schwächer. Deshalb gehören zwei Angaben dokumentiert – Einbaudatum und die regelmäßig gemessene Ruhespannung. Aus deren Verlauf erkennt man das Nachlassen, bevor es unterwegs auffällt.

Einbaujahr und Messwerte festhalten

Batterien lassen sich in PELARON mit Typ, Kapazität und Einbaudatum erfassen. Die Ruhespannung bei jeder Prüfung dazu – daraus wird über die Jahre eine aussagekräftige Reihe.

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