Entwicklungstagebuch, Teil 14 · 21. August 2026
Nach dem fremden Bericht habe ich eine eigene Prüfung gemacht. Beide Seiten, nach derselben Anweisung, aber mit einem Werkzeug, das der externe Prüfer nicht hatte: Zugriff auf den ausgelieferten Quelltext.
Eigenes Urteil: 7,9 von 10. Der externe Bericht sagte 8,4.
Der ganze Unterschied liegt in einem Wort — Gestaltung wurde gemessen statt angesehen.
Angesehen sieht PELARON gut aus. Ruhige Farben, klare Karten, ordentliche Typografie. Gemessen kommt etwas anderes heraus.
Vier Zeilen
Die Stildatei der App beginnt mit einem Kommentar. Er ist gut, er ist richtig, und er ist der Beweis, dass die Erkenntnis längst da war:
Textfarbe getrennt von der Markenfarbe.
#f27600erreicht auf Weiß nur 2,85:1 — zu wenig für Text, den man im Cockpit bei Sonne lesen soll.#b34700erreicht 5,50:1 und wirkt nebeneinander noch als dieselbe Familie. Das helle Orange bleibt für Flächen, Ränder und Symbole, wo Kontrast keine Rolle spielt.
Vier Zeilen darunter, in derselben Datei, steht die Regel für den Hauptknopf: eine orange Fläche, die weißen Text trägt.
Also genau der Fall, den der Kommentar vier Zeilen vorher ausschließt.
Gemessen 2,85:1, verlangt sind 4,5:1. Und nicht an einer Randstelle, sondern am wichtigsten Knopf fast jeder Ansicht: „+ Logbucheintrag“, „Törn starten“, „Ankerposition setzen“, „+ Dokument hinzufügen“.
Neunundzwanzig Stellen in sechzehn von einundzwanzig Ansichten.
Es ist aber ein Fehler, nicht neunundzwanzig. Eine Regel, eine Zeile.
Dieselbe gute Entscheidung, am falschen Ort
Auf der Website gibt es denselben Kommentar und dieselbe Farbvariable. Und dort kennzeichnet eine Regel den Menüpunkt der Seite, auf der man gerade ist — mit genau dieser Textfarbe.
Die Kopfleiste ist dunkel. Die Farbe ist für dunklen Text auf hellem Grund gerechnet. Ergebnis: 1,88:1.
Der aktive Menüpunkt ist damit der am schlechtesten lesbare Punkt im Menü. Die Regel, die die aktuelle Seite hervorheben soll, macht sie unkenntlich. Auf jeder einzelnen Seite.
Die helle Gegenvariante steht bereits eine Zeile höher in derselben Datei und erreicht dort 5,61.
Es fehlte nicht das Wissen. Es fehlte der Gedanke, dass eine Farbe zwei Varianten braucht — eine für hellen und eine für dunklen Grund.
Eine Schrift, die nie ankommt
Die Stildatei benennt zwei Schriften: Inter für den Fließtext, Montserrat für die Wortmarke.
Gesucht und nicht gefunden in der gesamten Auslieferung: eine Schriftdatei. Keine, in keinem Format. Auch kein Verweis auf einen Schriftendienst — die Sicherheitsregel der App würde ihn ohnehin blockieren.
Auf einem iPad ist weder Inter noch Montserrat installiert. Der Fließtext fällt also auf die Systemschrift zurück, was gut aussieht. Die Wortmarke fällt zwei Stufen weiter, bis auf Helvetica.
Das ist kein Fehler, der auffällt — es ist einer, der nicht auffällt. Die App sieht ordentlich aus, weil die Systemschriften ordentlich aussehen.
Der einzige Punkt, an dem wir etwas sagen können
Zur Prüfung gehörte ein Vergleich mit sechzehn Produkten. Ein Befund war deutlicher als erwartet:
Bei keinem der neun direkten Wettbewerber gibt es eine belastbare Aussage zur Verschlüsselung. Einer nennt Konformität und ein Audit, aber kein Verfahren. Einer wirbt mit „end-to-end encrypted“ und wird vom eigenen Store-Eintrag widerlegt, der nur Transportverschlüsselung angibt und einräumt, dass Finanzdaten mit Dritten geteilt werden können.
PELARON nennt Verfahren, Rundenzahl, Salz- und IV-Länge und eine Prüfsumme. Das ist der einzige Punkt im ganzen Feld, an dem wir etwas sagen können, das sonst niemand sagt.
Und es ist kein Marketingsatz, sondern eine Zeile im Quelltext, die man nachlesen kann.
Was bleibt
Von den Punkten, die in der eigenen Prüfung Abzug kosten, sind die meisten Zeilenänderungen, keine Umbauten.
Und in fast jedem Fall steht die richtige Lösung bereits im eigenen Bestand: die Farbvariable in derselben Datei, die Meldezeile im Nachbarmodul, das Exportmuster in der Bildersicherung von gestern, die korrekte Aufräumlogik im Offline-Dienst.
Ein Blick sagt, ob etwas gut aussieht. Eine Messung sagt, ob man es bei Sonne im Cockpit lesen kann. Das sind zwei verschiedene Fragen, und nur eine davon stand bisher in der Prüfanweisung.
Nachtrag vom 28. August: Der Satz „vier Zeilen darunter“ ist der kürzeste Ausdruck für etwas, das mir seitdem in fast jeder Woche begegnet ist. Am 28. August habe ich eine Datei gefunden, in der die richtige Wartungsregel im Kommentar steht — und fünfzig Zeilen darunter, in derselben Datei, rechnet die Kennzahl anders. Der Abstand wächst. Die Gestalt bleibt.
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PELARON entsteht an Bord der Bluebaerry und am Schreibtisch in Erfurt. Fragen, Widerspruch und Fehlermeldungen sind willkommen.