Entwicklungstagebuch · Teil 17

Vorhanden ist nicht erreichbar

Entwicklungstagebuch, Teil 17 · 23. August 2026

Entwicklungstagebuch, Teil 17 · 23. August 2026

„Nur ist die Academy-Seite nirgends zu finden.“

Ein Halbsatz von mir am Nachmittag, während wir eigentlich an etwas anderem arbeiteten. Er hat den Tag zusammengefasst, ohne dass das jemand geplant hätte.

Drei Dinge, die es gab

Der Tag hat drei Sachen ans Licht gebracht, die sich gleichen. Alle drei waren gebaut, ausgeliefert und funktionsfähig. Keine davon war erreichbar.

Der Wissenstest. Auf der Academy-Seite steht ein Test mit zehn Fragen zu je drei Antworten, 6.494 Zeichen Programmcode. Er lag im Quelltext der Seite selbst.

Vor Wochen hat die Website eine Sicherheitskopfzeile bekommen, die Skripte nur noch aus eigenen Dateien erlaubt — ein sinnvoller Schutz, der genau das tut, was er soll. Seitdem wurde der Test vom Browser gar nicht erst ausgeführt.

Antwortknöpfe auf dem Bildschirm, unter der echten Kopfzeile:   0
nach dem Auslagern in eine eigene Datei:                       30

Nichts hat gemeldet. Die Seite lud, sah vollständig aus, und wo der Test hätte stehen sollen, stand nichts — kein Fehler, keine Lücke, einfach ein Stück Seite, das aufhört.

Das Menü. Beim Nachmessen fiel auf, dass vier weitere Seiten dasselbe Problem haben: Impressum, Datenschutz, Nutzungsbedingungen und die App-Seite. In allen vieren steht derselbe Block, 385 Zeichen, Zeichen für Zeichen identisch. Er lässt die Menütaste am Telefon funktionieren.

Auch er wurde nie ausgeführt. Und weil auf schmalen Bildschirmen die Menüleiste ausgeblendet ist und nur die Taste bleibt, gab es von diesen vier Seiten aus überhaupt keinen Weg zurück.

Wer mit dem Telefon im Impressum landete, war dort gefangen.

Erreichbare Menüpunkte nach dem Antippen, 390 Punkte breit:
vorher 0 · nachher 9

Ausgerechnet Impressum, Datenschutz und Nutzungsbedingungen. Die drei Seiten, die es aus rechtlichen Gründen geben muss.

Die Seite selbst. Und dann mein Halbsatz. Die Academy-Seite gibt es, sie ist ausführlich, sie steht in der Sitemap, sie sagt auf sich selbst, sie gehöre unter „Wissen“.

Von 64 Adressen der Website verweist eine einzige auf sie — ein Satz im Fließtext einer anderen Seite. Nicht in der Kopfnavigation, nicht in der Fußzeile.

Suchmaschinen finden sie. Menschen nicht.

Der vierte Fall: eine Antwort, auf die niemand wartet

Ein fremder Prüfbericht hatte notiert, die Hafensuche brauche im ungünstigsten Fall 32 Sekunden. Ich hatte die Zahl im Heft stehen, ohne sie nachzumessen — und die Begründung des Berichts war falsch, was es leicht machte, die Zahl gleich mit abzutun.

Die Zahl stimmte.

Der Weg ist: acht Sekunden für die Ortssuche, danach bis zu drei Umkreisabfragen zu je acht Sekunden, nacheinander. Acht plus dreimal acht.

In dieser ganzen Zeit stand ein einziger Satz auf dem Bildschirm. Kein Fortschritt, nichts zum Abbrechen.

Im Prüfstand nachgestellt, der Datendienst antwortet absichtlich nicht: 31,6 Sekunden, zehn abgesetzte Abfragen, zwei Meldungen auf dem Schirm.

Jetzt sind es zwölf.

Zwei Sachen, die mir die Arbeit erschwert haben

Zwei kleinere Befunde betrafen nicht die App, sondern meinen eigenen Ablauf.

Der erste: Dateien kamen mit Namenszusätzen an und zwangen mich, vor jedem Hochladen umzubenennen — Arbeit, die niemand braucht, und eine Gelegenheit, die falsche Datei am falschen Ort abzulegen.

Der zweite kam aus einem Ausfall: Mein Schreibtisch liegt in einer Cloud, die hochgeladene Dateien auslagert und nur Platzhalter zurücklässt. Ein halbes Megabyte ist an dem Tag zweimal ins Leere gelaufen, bevor der Grund klar war.

Übergaben laufen seitdem über einen Ordner ohne Synchronisierung.

Was ich mitnehme

Alle vier Befunde des Tages haben dieselbe Form: Etwas ist da, gebaut, gemessen, ausgeliefert — und niemand kommt hin.

Eine Prüfsumme sieht das nicht. Sie bestätigt, dass die richtige Datei angekommen ist, und schweigt darüber, ob jemand sie je zu Gesicht bekommt.

Am Abend stehen der Wissenstest und die Menütaste wieder, die Hafensuche antwortet in zwölf statt in zweiunddreißig Sekunden, und im Register stehen vierzig durchnummerierte Punkte.

Und einer davon ist die Frage, wie man eine Seite findet, die es gibt.

Nachtrag vom 28. August: Fünf Tage später habe ich in der App eine Spurenliste gefunden, die vollständig gebaut war und hinter einer Zeile lag, die nach Hinzufügen klang. Ich habe die App gebaut und den Löschknopf nicht gefunden. Und am selben Abend: fünfundzwanzig Dialoge, jeder mit einer Überschrift, keiner mit einem Namen für die Vorlesehilfe. Vorhanden ist nicht erreichbar ist der Satz, der mich am längsten begleitet hat.

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