Entwicklungstagebuch, Teil 24 · 28. August 2026
Freitagmorgen, iPad am Kabel, Kaffee daneben. Der Plan war klein: einmal beweisen, dass meine Daten von einem Gerät aufs andere kommen. Es wurde der längste Arbeitstag, den dieses Projekt bisher hatte.
Ich baue PELARON für Segler. Zuerst für mich — mein Logbuch, meine Törns, die Fotos vom Warnemünder Segel-Club. Irgendwann für andere mit demselben Problem: dass an Bord alles auf Zetteln steht und nichts zusammenpasst.
Deshalb ist die Sache mit den Daten keine Fleißaufgabe. Wenn ich einem anderen Segler sage „deine Daten gehören dir“, dann muss ich das einmal gezeigt haben. Nicht behauptet. Gezeigt.
Das Werkzeug, das kaputtgemacht hätte, was es messen soll
Am Vortag war der Versuch schon einmal schiefgegangen, aus einem dummen Grund: Ich hatte den Ausgangszustand des iPads im privaten Fenster gezählt. Falsche Umgebung. Ohne Ausgangszustand beweist ein Endzustand nichts.
Also von vorn. Mac zählen, sichern, iPad leeren, iPad zählen, einspielen, wieder zählen.
Und dann hat die KI ihr eigenes Zählwerkzeug noch einmal geprüft, bevor sie es auf das leere iPad losließ — und es fiel durch. Das Ding hätte beim Zählen die Fotodatenbank angelegt. Leer, aber angelegt. Und weil sie dann schon existiert, hätte die App ihre eigene nicht mehr bauen können.
Das Einspielen der Bilder wäre gescheitert. An der Messung, nicht an der App.
Ein Messgerät gehört an dem Zustand geprüft, den es messen soll. Nicht an dem, der gerade da ist.
Am Vortag war es nicht aufgefallen, weil da die Datenbanken schon existierten. Der Fehler steckte nur im Fall „gibt es noch nicht“ — also genau dort, wo das Werkzeug gebraucht wurde.
Der Beweis
Das iPad war leer. Siebzehn Einträge im Speicher, alle von der App selbst angelegt, kein einziger mit Daten von mir. Kein Logbuch, keine Fotos, keine Dokumente.
Dann kam beim Öffnen etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte: ein Begrüßungsdialog. Wie möchtest du anfangen? Und die dritte Zeile: Vorhandene Sicherung einspielen.
Ich habe die Tür selbst gebaut und in dem Moment vergessen gehabt, dass es sie gibt. Ganz gut so — jetzt weiß ich, dass sie funktioniert, wenn man nicht daran denkt.
Passphrase, Datei, Seite lädt neu. Nochmal Passphrase, Bilder, Dokumente.
Danach: einundfünfzig Einträge wie auf dem Mac, fünfunddreißig Logbucheinträge, fünf Bilder, drei Dokumente. Alles da, nichts doppelt, nichts weg.
Eine Sache hatte die KI vorher schriftlich festgelegt, und das war klug. Am Vortag hatte das iPad mit sechs Bildern geendet, obwohl der Mac fünf hatte, und niemand wusste warum. Also stand vorher da: genau fünf. Kommen sechs heraus, legt das Einspielen Bilder an, statt sie zu ersetzen.
Es waren fünf. Die sechste vom Vortag kam aus dem Altbestand des Geräts.
Eine Vorhersage, die vor der Messung feststeht, kann man hinterher nicht zurechtbiegen. Eine, die man danach formuliert, immer.
Und dann stand da eine Vier
In der Seitenleiste, neben „Logbuch“: 4.
Ich habe fünfunddreißig Einträge. Ich hatte gerade eine Sicherung eingespielt, in der fünfunddreißig drin sind. Und da steht vier.
Das ist der Moment, für den man so einen Test macht. Nicht wegen der Zahl — wegen des Gefühls. Wenn mir das als normaler Nutzer passiert, nach dem Wechsel auf ein neues iPad, dann denke ich: meine Daten sind weg. Und dann traue ich mich nicht mehr, irgendetwas anzufassen.
Ich habe aufs Logbuch getippt. Fünfunddreißig von fünfunddreißig. Alles da.
Die KI hat zuerst vermutet, die Sicherung sei gar nicht eingespielt worden. Das war falsch, und sie hat es selbst widerlegt, bevor daraus eine Änderung wurde.
Was wirklich dahintersteckte, hat mich dann fast gefreut. Die Seitenleiste holt sich ihre Zahl, indem sie nach einem Speicher sucht, in dessen Namen irgendwo „log“ vorkommt. Der erste, den sie findet, ist nicht das Logbuch. Es ist mein Wartungs-Servicebuch. Vier Einträge.
Die Wartung hat sich als Logbuch ausgegeben.
Und das Ärgerlichste daran: Welcher Speicher zuerst gefunden wird, hängt an der Reihenfolge, in der der Browser sie aufzählt — und die ist nicht festgelegt. Auf dem Mac war die Anzeige über Tage richtig. Auf dem frisch wiederhergestellten iPad falsch. Weil das Wiederherstellen die Einträge in anderer Reihenfolge schreibt.
Ein Fehler, der immer falsch ist, wird gefunden. Einer, der meistens richtig ist, nicht.
Die Spur nach Afrika
Nachmittags habe ich eine Testspur eingelesen, vier Punkte vor Warnemünde. Auf der Karte lief eine dicke blaue Linie von der Ostsee schräg nach unten aus dem Bild.
Ich habe geschrieben: die Spur ist wahrscheinlich komplett falsch. Die KI war in dem Moment mit Dateiwählern beschäftigt.
War sie auch. Achtundzwanzig von meinen sechsunddreißig Logbucheinträgen haben keine Position — da war kein GPS an, als ich sie geschrieben habe. Und aus „keine Position“ hat die Karte gemacht: null Grad Nord, null Grad Ost. Das ist im Golf von Guinea, vor Westafrika. Viereinhalbtausend Seemeilen von Warnemünde.
Darunter stand „35 erfasste Positionen“. Es waren acht.
Jetzt kommt der Teil, der mich beschäftigt hat. Die Prüfung, die genau das verhindert, gibt es seit dem 12. August. Sie steht in einer anderen Datei, mit einem langen Kommentar davor, der das Problem beschreibt — bis hin zu dem Satz, dass die Karte sich dadurch von Schweden bis Libyen aufzieht.
Drei andere Stellen, die dieselben Daten lesen, wussten nichts davon.
Eine davon ist der Export. Wenn ich meine Saison als GPX-Datei ausgebe und in OpenCPN lade, wären achtundzwanzig Punkte vor Afrika drin gewesen. Auf einer Karte sieht man sowas. In einer Datei, die man weitergibt, nicht.
Eine Regel, die in einer Datei steht, schützt eine Datei.
„1 Spuren“
Kleinigkeit. Hat mich trotzdem geärgert. Oben rechts auf der Karte stand 1 Spuren. Wenn dann 1 Spur.
Ich bin da nicht pedantisch aus Spaß. Wenn eine App an so einer Stelle schludert, denkt der Nutzer: hier hat sich keiner Mühe gegeben. Und dann glaubt er dir auch bei den Dingen nicht mehr, bei denen du dir Mühe gegeben hast.
Nachgezählt kam heraus: An siebenundsiebzig Stellen steht in der App eine Zahl direkt vor einem Hauptwort. An zweiunddreißig war es richtig gemacht, an achtunddreißig nicht. „1 Häfen gespeichert“ gab es neunmal. „1 Personen an Bord“. „1 Wachen über 24 Stunden“.
Zwei Zeilen unter dem falschen „1 Spuren“ stand übrigens „1 eingelesene Spur“ — richtig. Gleiche Karte, gleiche Zahl, eine Fassung richtig und eine falsch.
Das war an dem Tag zum wievielten Mal? Ich habe aufgehört zu zählen.
Wo ist denn das Löschen?
Dann sollte ich zwei von drei Spuren löschen, damit man sieht, ob die Einzahl wirklich funktioniert. Ich habe gesucht. Und gesucht.
Es gab keinen Löschknopf. Nirgends.
Oben rechts stand „3 Spuren“. Darunter eine Zeile: Spur aus einem anderen Programm ergänzen. Das klingt nach Hinzufügen. Dass man diese Zeile antippen muss, damit sich eine Liste aufklappt, in der die drei Spuren mit Löschknopf stehen — darauf muss man erst mal kommen.
Ich habe die App gebaut. Ich habe es nicht gefunden.
Eine Zahl anzuzeigen, ohne zu sagen, wo die Sache liegt, ist eine halbe Auskunft.
Abends, iPhone statt iPad
Das iPad war weg, also das iPhone. AirDrop fand es nicht. Brauchte es auch nicht — der Ordner liegt in iCloud, und der Dateiwähler in Safari kommt da direkt ran.
Auf dem iPhone hat es dann in einem Rutsch funktioniert. Erst eine Spur, dann zwei, dann eine gelöscht. Alle drei Zahlen sind sofort mitgegangen, ohne Neuladen. Genau das war der Punkt.
Was ich mitnehme
Zehn Sachen sind an dem Tag geschlossen worden. Vier davon habe ich gefunden, einfach dadurch, dass ich die App benutzt habe, während die KI sie gemessen hat.
Das ist keine Kritik. Das ist die Arbeitsteilung, und sie funktioniert. Ein Prüfprogramm findet, was man ihm zu suchen sagt. Ein Nutzer findet, was ihn stört. Und was einen stört, stört meistens auch den nächsten.
Was mich wirklich beschäftigt, ist etwas anderes: Fünfmal an einem Tag war die Lösung schon im Programm — an einer anderen Stelle, in einer anderen Datei, manchmal zwei Zeilen daneben.
Ich habe immer gedacht, Software wird schlecht, weil jemand schlampt. Ich glaube inzwischen, sie wird schlecht, weil dasselbe an fünf Stellen entschieden wird und nur an vieren richtig.
Seit dem Tag liegen drei Entscheidungen an genau einer Stelle: ob eine Position gültig ist, ob es Einzahl oder Mehrzahl heißt, und was in der Seitenleiste steht. Ohne Rückfalllösung. Eine Rückfalllösung ist nur eine Doppelung, die man noch nicht bemerkt hat.
Von Apple ist übrigens immer noch keine Mail da. Vierter Tag.
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