Entwicklungstagebuch · Teil 43

Manchmal ist weniger mehr

Entwicklungstagebuch, Teil 43 · 18. September 2026, abends

Entwicklungstagebuch, Teil 43 · 18. September 2026, abends

Der Tag hat nicht mit Code angefangen, sondern am Schreibtisch, früh am Morgen. Ich habe mein Konzept für die Wippschalter geschrieben — was am Boot wirklich hängt, was die Platine schalten darf und was nicht. Dreimal habe ich es geschickt, und zwischen der ersten und der letzten Fassung lag kein neues Wissen, sondern wieder derselbe Gedanke wie bei der Platine selbst: Was wäre wenn. Eine App und eine Hardware müssen nicht alles können. Manchmal ist weniger mehr.

Deshalb hängt das Funkgerät jetzt nicht mehr an der Platine, genauso wenig wie die Navigation und der Autopilot. Sie haben ihre eigenen Wege von der Batterie, mit eigener Sicherung und eigenem Schalter, und die Platine misst höchstens, ob Spannung anliegt. Wenn die Platine ausfällt, muss ich auf See weiter navigieren und schlimmstenfalls einen Notruf absetzen können. Dafür braucht es keine Automatik, sondern einen Draht, der ohne sie funktioniert.

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Kein Stückwerk

Nach dem ersten kleinen Stück am Vormittag habe ich gesagt: Baue nicht wieder Stückwerk, sondern wenn, dann alles zusammen. Vorher kamen drei Fragen, und die habe ich beantwortet, bevor gebaut wurde. Die Platine spricht mit der App in Zeilen über das Netz, so wie das Gateway. Die Schwellen der Unterspannung sind einstellbar, weil nicht jeder Lithium-Akkus hat und sich damit die Spannungen ändern. Und die Regeln sperren wirklich, sie melden nicht nur.

Dann kam alles in einer Lieferung: die Schaltkette, die Heizung als Ablauf mit Vorlauf und Nachlauf, das Nachrichtenformat, die Regeln, der Verlauf, der Bereich in der App mit seinen Reitern, der Rückfall auf die Schalter. Und weil die echte Platine erst im Winter gelötet wird, gibt es im Kern eine gedachte Platine, die meine Zustandstabelle spielt. Man kann am iPad die Wippschalter kippen, das Lebenszeichen abstellen, die Spannung absacken lassen — und die App sieht nur das, was die Platine meldet. So, wie es später sein wird.

Zweimal musste ich an diesem Tag schreiben: Und jetzt wieder in Deutsch. Zwischenzeilen, Beschreibungen, alles. Es ist mein Tagebuch, und es ist eine deutsche App.

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Das Logbuch ist das Buch der Fahrt

Der erste Bau schrieb jede Schalthandlung ins Logbuch. Kühlschrank gesperrt, Cockpitlicht an, Cockpitlicht aus. Ich habe gefragt, warum das Betätigen eines Schalters im Logbuch stehen soll — wenn der Sinn dahinter war, die Historie aufzuzeichnen, würde ich da eher etwas anderes wählen. Das Logbuch ist das Buch der Fahrt, nicht das Buch der Platine.

Also gibt es jetzt ein eigenes Schaltprotokoll, eine Zeile je Ereignis, in einer eigenen Datei, mit Filter und Versand. Ins Logbuch kommt nur, was die Fahrt betrifft: Bilge feucht, die Platine ist auf die Schalter zurückgefallen, die Heizung hat einen Fehler. Und nichts davon aus der Vorführung.

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Was längst gebaut war

Mittags wollte ich weiterbauen und vorher sehen, was noch offen ist. Ich habe eine Handvoll Punkte vorgelegt bekommen und dazu gesagt: Und auch prüfen, ob wir einige Dinge nicht schon längst gebaut haben. Fünf davon waren seit letzter Woche gebaut und am iPad bestanden. Ihre Zeilen im Heft sagten noch offen, gebaut waren sie unter einer Sammelzeile desselben Abends, und die Sammelzeile hatte ihre Herkunft nicht nachgeführt.

Vertrauen hat mich das nicht gekostet. Ich konnte mich erinnern, dass wir diese Fehler abgestellt hatten — wir hatten es nur nicht nachgetragen. Aber es ist jetzt eine Regel: Wer unter einer Sammelzeile baut, führt die Ursprungszeile nach. Sonst frage ich in einer Woche wieder nach Dingen, die längst laufen.

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Ein Assistent, der antwortet

Der Assistent in der App fragt jetzt ein Sprachmodell im Netz, und ohne Netz das Modell auf dem iPad selbst. Die Netzsuche stand seit einer Woche als Ausfall im Heft. Ich habe gesagt: Die Netzsuche bitte. Ein Blick in die Konsole des Anbieters, eine Probe vom Terminal — sie ging. Der Ausfall war beim Anbieter gewesen und längst vorbei. Acht Tage lang stand ein Befund im Heft, der keiner mehr war.

Am Gerät habe ich dann drei Dinge gefunden. Eine Antwort behauptete Suchen im Netz und zeigte keine einzige Quelle. Dann blieb die App hängen — das Modell auf dem iPad rechnete minutenlang, ohne Ende und ohne Grund, weil es keine Zeitschranke gab. Und im Flugmodus kam auf die Frage nach dem Ölwechsel nur: Kann nicht weiterhelfen. Dem Modell war gesagt worden, was es alles nicht hat. Ein folgsames Modell verweigert dann. Jetzt soll es antworten wie ein erfahrener Segler, und unter jeder Antwort steht, dass es in der App und auf pelaron.de mehr dazu gibt.

Die Prüfliste war nach meiner Ansicht bestanden, es dauerte nur, bis die Antwort kam. Der Nachtrag dazu ging am frühen Nachmittag durch.

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Die Hardware bekommt eine Stimme

Am Nachmittag bekam die Bordsteuerung ihre Seite auf pelaron.de. Kein Menüpunkt, keine Versprechen zu Termin, Preis oder Zulassung. Die Schalter bleiben, das Boot wird smarter. Ich habe mir das Design vorher zeigen lassen und ein paar Dinge entschieden, darunter, dass das Kontaktformular eine eigene Heftzeile wird und dass der Weg zum Boot einen achten Schritt bekommt: den Bereich in der App.

Als die Seite stand, habe ich gefragt, warum ihre Knöpfe auf das Software-Tagebuch zeigen. Warum nicht gleich das Hardwaretagebuch verlinken, dann wäre es von der Software klar getrennt. Ich hatte mein Hardwaretagebuch als PDF und wollte wissen, ob wir es so veröffentlichen können — ob das Design passt und es nicht zu technisch geschrieben ist, also auch für Laien verständlich.

Es wurde mehr daraus. Ich habe gesagt: Bitte auf meine Sichtweise umschreiben, wie das Softwaretagebuch, designtechnisch auf Vordermann bringen, und umbenennen in Hardware-Dokumentation. Vorher drei Fragen. KiCad konnte ich gar nicht, das war anfangs ein ganz schöner Krampf, aber nach einer gewissen Zeit hat es richtig Spaß gemacht — ausschlaggebend war, dass mein eigenes Haus komplett smart ist. Der zweite kleine Rechner auf der Platine ist aus dem Wunsch entstanden, am Schreibtisch eine Notfalllösung zu haben, falls irgendetwas ausfällt. Das nennt man Redundanz. Und der Grund, warum Navigation, Autopilot und Funk gar nicht an der Platine hängen, ist einfach der Gedanke: Was passiert wenn. Bei der Heizung war es durch den Nachlauf der Standheizung von vornherein klar.

Sieben Kapitel sind es geworden, mit meinem Foto auf dem Titel und einem Wörterkasten vorne für alle, die nicht wissen, was ein Relais oder ein Netz im Schaltplan ist. Und die Platine hat jetzt überall denselben Namen: PELARON Control24 Pro, so wie in der App. Auf der Webseite stand er am Nachmittag noch ohne das Pro. Das ist berichtigt, und die Dokumentation hängt zum Herunterladen auf der Tagebuchseite, getrennt von der Software.

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Das Firmwareheft

Zum Schluss das Pflichtenheft für die Firmware, die im Winter auf die Platine kommt. Sechs Vorschläge, alle angenommen: Mobilfunk nur durch einen Tunnel, kein Schlüssel im Nachrichtenformat. Ein Lebenszeichen alle halbe Sekunde, und bleibt es aus, fallen die Ausgänge auf die Schalter zurück. Befehle verfallen nur bei Rückfall oder Neustart. Die Platine holt sich die Uhrzeit aus dem Netz, und die App kann sie stellen. Die Victron-Werte kommen als eigener Block im Stand. Und keine Regeln in der Firmware — die wohnen in der App, wo ich sie sehen und ändern kann.

Das Heft beschreibt Feld für Feld, was die Platine sagt und was sie hört, so wie es der Kern seit dem Vormittag spricht, dazu die Tischprüfungen und die Pflichttests für die Abnahme, und eine Liste dessen, was die Firmware nicht tut. Es kommt nicht auf pelaron.de. Es ist ein Heft für den, der lötet, keine Lektüre für Segler.

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Was bleibt

Ich wollte heute eigentlich an der Platine weiterarbeiten. Stattdessen haben wir den gesamten Rückstand aufgearbeitet und die App wie die Webfassung erweitert: die Anbindung der Hardware, den Assistenten, die Seite, die Dokumentation, das Heft. Ich fand den Tag in Gänze sehr erfolgreich. Da könnte ich nichts hervorheben.

Beim Setzen dieser Ausgabe am Abend ist noch etwas nachgemessen worden, das der Prüfer der Gesamtausgabe seit über einer Woche gemeldet hatte und das im Heft als Altbestand stand — ein Teil davon sogar dem Messwerkzeug zugeschrieben: Kastentext, der über den rechten Rand hinausläuft, Anführungszeichen, die geöffnet und nie geschlossen wurden, Zwischenüberschriften, denen die zweite Zeile fehlte. Heute nachgemessen: Alles davon war echt, alles lag im Setzer, alles ist behoben, und die Ausgabe, die jetzt online liegt, hat keinen Befund mehr. Ein Befund, der als Altbestand geführt wird, ist trotzdem ein Befund.

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PELARON entsteht an Bord der Bluebaerry und am Schreibtisch in Erfurt. Fragen, Widerspruch und Fehlermeldungen sind willkommen.