Entwicklungstagebuch, Teil 40 · 13. September 2026, abends
Die erste Nacht, in der die Ankerwache wirklich gelaufen ist. Nicht am Steg zum Ausprobieren, sondern vor Anker in Hohe Düne, mit mir in der Koje.
Sie hat mich geweckt. Der Radius stand bei zehn Metern, ich hatte den Versatzpunkt sieben Meter verschoben, und irgendwann ging der Alarm los. Dann war er wieder aus. Dann wieder an. Die Position sprang hin und her, und irgendwann wollte ich einfach schlafen — also habe ich den Radius vergrößert und die Versatzposition geändert.
Man könnte das als Fehlschlag lesen. Ich lese es anders. Lieber einmal mehr als einmal zu wenig. Eine Wache, die mich in einer ruhigen Nacht einmal zu oft weckt, ist mir hundertmal lieber als eine, die schweigt, während das Boot losgeht. Dass ich am Morgen einen Grund gesucht habe, ist die andere Sache — aber geweckt hat sie, und darum geht es.
Was eine Nacht wert ist
Am Abend vorher liefen 1462 Prüffälle durch, alle grün, und das Bauprotokoll war zum ersten Mal seit Tagen ohne eine einzige Warnung. Nach jedem Maßstab, den ich am Schreibtisch anlegen kann, war die App in Ordnung.
Sechs Stunden später hat sie mich in einer stillen Nacht aus dem Schlaf geholt, weil zwei GPS-Empfänger sich nicht einig waren.
Das ist der ganze Punkt, und ich schreibe ihn auf, weil ich ihn selbst nicht vergessen will: Ein Prüffall prüft, was ich mir ausgedacht habe. Das Boot prüft, was ist. Kein Test dieser Welt wäre auf die Idee gekommen, dass ein stillliegendes Boot bei zehn Metern Alarmradius die halbe Nacht Alarm schlägt, weil die App zwischen zwei Antennen hin- und herspringt, die 5,81 Meter auseinandersitzen. Dafür muss jemand an Bord liegen und geweckt werden.
Und es ist nicht nur die Wache. Vier von den Befunden, die heute ins Heft gegangen sind, habe ich nicht gelesen, sondern benutzt: Die Lautstärke, die sich nicht änderte, obwohl eine Zahl dastand. Die Quelle, die nach dem Neustart wieder sprang. Der Törn, den ich nach dem Beenden nirgends wiederfand. Und die Tafel am Bus, auf der Komma und Punkt nebeneinander standen. Alle vier sind mir in die Hände gefallen, während ich etwas anderes tun wollte.
Ich habe dafür ein Zeitfenster, und das ist mir heute klar geworden. Ein paar Wochen noch, dann kommt die Bluebaerry aus dem Wasser. Was nur am schwimmenden Boot messbar ist, ist dann bis zum Frühjahr nicht mehr messbar. Deshalb zählt jeder Abend an Bord mehr als drei am Schreibtisch.
Der Grund war messbar, und es war nicht der Anker
Fünfzigtausend Meldungen aus der Nacht. Ohne Quellenwechsel bewegte sich die Position um einen Zentimeter. Mit Quellenwechsel um 5,81 Meter. Und gewechselt wurde bei drei von vier Meldungen.
5,81 Meter — das kommt ungefähr mit dem Abstand meiner beiden GPS-Empfänger hin. Das Boot lag still. Was sich bewegt hat, war die Frage, welche Antenne gerade gilt.
Bei zehn Metern Alarmradius reicht das, um den Alarm die halbe Nacht ein- und auszuschalten. Und es erklärt auch die 147 Ankerzeilen, die in dieser einen Nacht ins Logbuch gelaufen sind — rund 140 davon dasselbe Paar im Sekundentakt. Ein Logbuch, das eine ruhige Nacht auf 147 Zeilen aufbläst, ist für den Zweck, für den ich es führe, wertlos: Wer da nach einem Ereignis sucht, findet es nicht mehr.
Jetzt gilt während einer Wache die Quelle, mit der der Anker gesetzt wurde. Der Ankerpunkt wurde mit *einer* Antenne gemessen; ihn gegen die andere zu prüfen, vergleicht zwei verschiedene Dinge.
Was mir am Morgen noch eingefallen ist
Dass die Wache läuft, sagt noch nicht, dass sie jemanden weckt. Wenn das iPad aus Versehen leise steht, nützt der beste Alarm nichts. Also: Die Lautstärke wird gemessen und hingeschrieben, nicht angemahnt — und ab 75 Prozent geht die Wache überhaupt erst an. Darunter bleibt der Knopf gesperrt, und es steht dabei, warum.
Auch das ist ein Gedanke, der nur in der Koje entsteht. Am Schreibtisch ist der Alarmton eine Zeile Code, die man antippt und hört. Nachts ist er das Einzige, was zwischen einem schlafenden Menschen und einem treibenden Boot steht.
Dazu zwei Dinge, die ich erst beim Prüfen am Gerät gemerkt habe. Die Lautstärke änderte sich nicht, wenn man lauter oder leiser dreht — die Zahl war eine Momentaufnahme und sah aus wie eine Anzeige. Das ist die gefährlichere Sorte Fehler: nicht eine fehlende Angabe, sondern eine, die aussieht, als sei sie gemessen. Und der Ton gehört auf den Lautsprecher: Hundert Prozent auf einer Bluetooth-Box, die in der Backskiste liegt, sind keine Lautstärke.
Zwei Minuten gesperrt
Im Aufgabenheft stand seit dem 11. September ein Satz mit „vermutlich": Die Bordnetzdaten seien bei gesperrtem Bildschirm wahrscheinlich weg.
Heute habe ich es einfach gemacht. Verbunden, gesperrt, zwei Minuten gewartet, entsperrt. Null Abbrüche, letzte Meldung vor null Sekunden, volle Rate. Die Ankerwache lief dabei nicht einmal — es war also der strengere Fall.
Erleichterung, ja. Aber das Schöne daran ist etwas anderes: Genau dafür hatte ich bei Apple angefragt und die Genehmigung bekommen. Dass es in der Realität dann auch funktioniert — nice.
Und wieder derselbe Satz: Das stand als Vermutung im Heft, seit zwei Tagen, und es hätte da noch Wochen stehen können. Zwei Minuten am Boot haben es entschieden.
Was der Bus wirklich schickt
Am Boot habe ich die Prüfliste zu Punkt 246 abgearbeitet, die Tafel mit Krängung, Stampfen, Ruderlage, Logge, Missweisung und Strom.
Die Logge steht jetzt bei 12.822,5 Seemeilen statt bei null — das war ein Lesefehler, ein Byte an der falschen Stelle. Krängung und Stampfen stehen berichtigt da, mit dem Rohwert klein darunter. Die Ruderlage liegt an, aber ohne Wert: über zehntausend Rahmen, in keinem ein Winkel. Und mein Motor sendet nichts, das sagt die App jetzt von selbst.
Dann kam eine Frage, auf die ich eine klare Antwort wollte: Misst der Orca die Spannung, oder der Raymarine-Plotter? Die Antwort steckte im Mitschnitt vom 10. September. Alle 224 Spannungsmeldungen kommen von einer einzigen Adresse, und die meldet sich als Orca. Kein Raymarine-Gerät schickt eine Spannung.
Nur: Was der Orca schickt, ist kein Batteriewächter. Da ist ausschließlich das Spannungsfeld gefüllt, kein Strom, keine Temperatur. Das ist die Versorgungsspannung an seinem eigenen Anschluss, hinter Sicherung und Kabelweg — nicht die Spannung am Batteriepol. Die echten Batteriedaten liegen in der Victron-App und kommen nie auf den Bus. Genau deshalb entwickle ich die Hardware.
Und noch etwas, das ich so nicht erwartet hätte: Der Orca schickt in fünfeinhalb Minuten über zehntausend Rahmen, in denen „nicht verfügbar" steht. Steuerkurs, Drehrate, Lage — alles leer. Die echten Werte kommen vom Raymarine-Geber. Auf meinem Bildschirm standen beide unter einer Zahl.
Der Törn, den es nirgends gab
Beim Prüfen heute früh habe ich einen Törn ohne Plan gefahren — einfach abgelegt, aufgezeichnet, beendet. Und danach konnte ich ihn nirgends mehr sehen. Nicht in der Törnplanung, nicht in der Historie, keinen Bericht.
Auch das hätte ich beim Lesen nicht gefunden. Ich habe es gemerkt, weil ich ihn gesucht habe.
Und es ist keine Kleinigkeit. Wenn ich ablege und aufzeichne, ist das ein Törn. Ob ich vorher einen Plan angelegt habe, ist eine Frage der Vorbereitung und keine Frage darüber, ob die Fahrt stattgefunden hat.
Also: Spätestens beim Beenden wird er bezeichnet, und die restlichen Daten werden ausgefüllt. Danach steht er in der Historie. Und solange er läuft, gehört er in die Törnplanung — da stand er bisher nämlich auch nicht.
Eine Sache war mir dabei wichtig: Abfahrt und Ankunft werden nicht eingetippt. Die stehen im Logbuch, und da bleiben sie. In einem Logbuch macht man keine Handeinträge an den Uhrzeiten. Das soll im Ernstfall vor Gericht Bestand halten.
Drei Zahlen, ein Wort
Zum Schluss noch etwas, das ich zuerst für einen Fehler gehalten habe. Nach einem Prüflauf von knapp dreizehn Minuten standen im Protokoll 67 Quellenwechsel — und in der Vorgangstafel drei.
Es war kein Fehler. Es waren drei verschiedene Sachen, die alle „Quellenwechsel" hießen: der Wechsel zwischen Bordnetz und iPad, wie er aufgezeichnet wird; der Wechsel, den die Wache selbst vermerkt; und zwei Geräte am Bus, die dieselbe Nachricht schicken. Drei Zähler, ein Wort.
Wer 67 liest und drei sieht, hält eines von beidem für kaputt. Jetzt heißen sie verschieden und stehen nebeneinander.
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Heute Abend ist der Bau durchgelaufen: 1513 Prüffälle, null Fehler. Gestern Abend waren es 1462. Einundfünfzig neue an einem Tag, und keiner davon wäre entstanden, wenn ich nicht eine Nacht vor Anker gelegen hätte.
Geprüft wird morgen — und zwar am Gerät. Die grünen Zahlen habe ich ja schon.
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