Entwicklungstagebuch · Teil 3

Fünf Reiter, die nichts hielten

Entwicklungstagebuch, Teil 3 · 7. August 2026

Entwicklungstagebuch, Teil 3 · 7. August 2026

„Digitale Bootsakte. Dateien, Fristen und Verknüpfungen zentral organisieren.“

So stand es im Menü. Was das Modul konnte, war: eine Textzeile mit einem Erledigt-Haken.

Keine Datei. Kein Ablaufdatum. Keine Kategorie — obwohl fünf Reiter nach Kategorien benannt waren.

Was mich daran geärgert hat

Nicht der Fehler. Fehler passieren.

Was mich geärgert hat, war die Frage, wie eine Maschine überhaupt etwas bauen kann, hinter dem keine Funktion steckt. Die Anweisung war klar. Da stand nicht „mach irgendwas mit Dokumenten“. Da stand, was das Modul können soll.

Gebaut wurde die Oberfläche. Fünf Reiter, saubere Beschriftungen, alles an seinem Platz. Und dahinter nichts.

Für mich heißt das: Der Maschine hat schlicht die Intelligenz gefehlt, weit genug zu denken. Sie hat gebaut, was sich beschreiben lässt — und nicht gemerkt, dass eine Beschriftung ohne Funktion schlimmer ist als gar keine Beschriftung.

Ich habe zwischendurch überlegt, ob ich es selbst so bestellt und nicht gemerkt habe. Habe ich nicht. Ich habe nachgesehen.

Und es war nicht die einzige Stelle

Beim Durchgehen der App fand sich dasselbe an mehreren Stellen zugleich.

Im Hafenmodul standen zwei Bedienelemente ohne Wirkung: eine Auswahl zweier Marinas, die nichts auslöste, und ein Feld für die geplante Ankunftszeit, das nirgends ausgewertet wurde. Der Windpfeil für das Anlegemanöver ließ sich von Hand verstellen — ein Schieberegler ohne Bezug zur Wirklichkeit.

Auf den Wetterkarten für ECMWF, ICON und GFS stand: „Professionelle API-Anbindung folgt.“ Eine Ankündigung ohne Datum. Dabei liefert Open-Meteo alle drei Modelle frei, ohne Schlüssel.

Unter Sicherheit zeigten zwei Reiter Erklärtext statt Daten. Bei den Fristen stand „keine Ablaufdaten hinterlegt“ — und der Satz konnte gar nicht verschwinden, weil es keinen Weg gab, welche einzutragen.

Unter Analysen hieß es „Auswertung folgt“, obwohl die Kosten- und Motordaten längst vorlagen. Es fehlte nur die Rechnung.

Ein leeres Feld ist ehrlich. Eine Beschriftung ohne Funktion dahinter ist es nicht.

Wie so etwas entsteht

Niemand hat das absichtlich gebaut. Es entsteht in der Reihenfolge, in der gearbeitet wird: Zuerst steht die Ansicht, dann die Reiter, dann die Beschriftungen — und die Funktion kommt danach.

Nur kommt sie manchmal nicht, weil inzwischen etwas anderes wichtiger wurde. Zurück bleibt eine Oberfläche, die vollständig aussieht.

Das erklärt es. Es entschuldigt es nicht. Wer eine Überschrift setzt, hat damit ein Versprechen abgegeben — und wer das nicht mitdenkt, denkt nicht weit genug.

Zwei Wege, und nur einer taugt

Man kann so etwas auf zwei Arten auflösen.

Entweder man benennt um, bis die Beschriftung zur Funktion passt — aus „Bootsakte“ wird „Notizen“, und alles stimmt wieder. Oder man baut, was die Beschriftung verspricht.

Der erste Weg ist schneller und macht die App kleiner. Ich habe den zweiten genommen, überall dort, wo die Beschriftung das Richtige versprach.

Warum am Ende Fotos dazukamen

Bei der Törnauswertung ist mir aufgefallen, dass aus solchen Ansichten selten etwas herauskommt, das man gerne ansieht. Ich glaube nicht, dass das an fehlenden Feldern liegt. Es liegt daran, dass am Ende nur Zahlen stehen.

Also Fotos. Und damit sofort drei Entscheidungen, die mit Fotos nichts zu tun haben:

Sie liegen in einem eigenen Speicher, weil der normale rund fünf Megabyte für alles zusammen fasst und ein einziges Handybild das sprengt. Jedes Bild wird auf 1600 Punkte längste Kante verkleinert; aus vier Megabyte werden meist unter vierhundert Kilobyte. Und sie werden nicht abgeglichen — ein Törn mit zweihundert Bildern wären mehrere Gigabyte, dafür ist weder der Server gedacht noch die Sicherung.

Das steht in der App. Nicht im Kleingedruckten.

Was ich mitnehme

Die Runde hat kaum neue Ideen gebracht. Sie hat eingelöst, was schon dastand.

Das fühlt sich beim Arbeiten weniger nach Fortschritt an als eine neue Ansicht. Es ist trotzdem mehr wert, weil eine Beschriftung ohne Funktion Vertrauen kostet, das man später an ganz anderer Stelle braucht.

Seither gibt es eine einfache Prüfung, bevor etwas eine Überschrift bekommt:

Kann ich das, was da steht, in der App vorführen? Wenn nein, steht es zu früh dort.

Im nächsten Teil geht es um eine Anzeige, die „System betriebsbereit“ meldete, während zwei Kernfunktionen ausgefallen waren.

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