Entwicklungstagebuch, Teil 15 · 22. August 2026
Zwölf Lieferungen, jede vor und nach dem Hochladen am Server gemessen. Am Abend steht die App bei null Kontrastfehlern, wo es morgens vierundsechzig waren, und bei null Ansichten mit waagerechtem Überlauf, wo es neun waren.
Das ist die Zahl für die Bilanz. Der Tag hatte eine andere Pointe.
Der Knopf, der das Versprechen abräumt
Die erste Lieferung war die wichtigste und bestand aus einer gelöschten Zeile.
„Lokale Wartung“ hatte eine zweite Aufräumroutine für die Zwischenspeicher, deren Ausnahme nie zutraf — siebenundneunzig Einträge im Offline-Speicher wurden zu null. Genau der Knopf, den man drückt, wenn an Bord etwas klemmt. Also genau dann, wenn kein Netz da ist, um den Schaden wieder aufzufüllen.
Entfernt, nicht repariert.
Der Offline-Dienst räumt im eigenen Ablauf bereits richtig auf und kennt dort beide Speichernamen; die Zeile in der App konnte den Namen gar nicht kennen.
Zwei Fassungen derselben Aufgabe waren der Fehler, nicht die eine falsche Zeile.
Im Heft steht dafür eine Regel: Wer dreimal flickt, hätte umbauen sollen. Hier reichte einmal.
Ansichten sind keine Zustände
Bei den Farben war gründlich gemessen worden: einundzwanzig Ansichten, drei Bildschirmbreiten, jedes sichtbare Textelement gegen seinen tatsächlichen Hintergrund gerechnet. Vierundsechzig Fehlstellen.
Beim Schreiben der Ersetzungen ist die Stildatei noch einmal von Hand durchgesehen worden — und dabei tauchten zwei Stellen auf, die im Durchlauf nicht vorgekommen waren.
Eine davon ist die Auswahl der Notrufstufe. Bei 2,85:1.
Warum hatte der Durchlauf sie nicht? Weil sie ein Zustand ist, keine Ansicht. Die Farbe erscheint erst, wenn die Stufe gewählt ist. Das Werkzeug hat einundzwanzig Ansichten geöffnet und in keiner davon etwas ausgewählt.
Ein Durchlauf durch alle Ansichten prüft Ansichten. Zustände findet er nie.
Dasselbe galt für eine Ablaufkachel, die es nur mit angelegten Bootsdaten gibt. Und für die Ausrichtung der Bedienzeilen, die schlicht nie gemessen worden war: Die Filterzeile im Logbuch stand um sechzehn Punkte schief.
Ich habe das in drei Sekunden auf dem Bildschirm gesehen. Der Prüfaufbau in einem ganzen Tag nicht.
Eine Zeile statt sieben
Die Ersetzungsliste für die Farben hatte sieben Einträge.
Beim Nachzählen der Erwartungswerte — jede Zahl, die in einen Prüfbefehl geht, wird vorher im eigenen Bestand gezählt — fiel auf, dass das Suchmuster eine Schreibweise übersehen hatte: eine Variable mit Ersatzwert in Klammern.
Also wurde nachgesehen, was diese Variable überhaupt tut. Ergebnis: 159 Verwendungen, ausnahmslos als Textfarbe. Kein einziges Mal für einen Rand, keine Fläche, kein Symbol. Über drei Dateien hinweg.
Damit war der ganze Rest eine Zeile: Die Variable zeigt jetzt auf ihre bessere Fassung.
Sieben Ersetzungen wären richtig gewesen. Eine ist besser.
Vier Seiten, die niemand erreicht
Beim selben Nachsehen kam noch etwas heraus: Vier Seiten hängen gar nicht am gemeinsamen Stylesheet. Sie tragen ein eigenes, im Kopf der Seite.
Die Kontrastkorrektur von diesem Tag hat sie nicht erreicht. Und jede künftige Änderung wird sie auch nicht erreichen.
Im Heft stand dazu bisher „vier Seiten ohne Menü“. Der Befund ist größer, als er klang.
Was ich mitnehme
Der beste Fund des Tages war nicht der kaputte Wartungsknopf. Es war die eine Zeile, die 159 Stellen auf einmal richtig macht — und sichtbar wurde sie nur, weil die eigene Suche vorher danebengegriffen hatte.
Der zweitbeste war eine Zahl, die seit Wochen falsch im Heft stand, ohne jemals falsche Ergebnisse zu produzieren. Sie hat einfach jedes Mal eine Seite vergessen. Die wichtigste.
Ein Werkzeug, das ein Ergebnis liefert, hat nicht bewiesen, dass es das Richtige gemessen hat. Gerade dann nicht, wenn das Ergebnis zur Erwartung passt.
Das steht seit dem Tag als Regel im Heft. Nicht als Vorsatz, sondern als Ablauf.
Nachtrag vom 28. August: Der Satz mit den Zuständen hat sich sechs Tage später noch einmal gemeldet, in seiner schärfsten Form. Alle Auszeichnungen für Vorlesehilfen waren richtig — 398 Knöpfe mit Namen, null ohne. Gemessen war ein Zustand. Nicht gemessen war das Verhalten über Zeit: ein Hinweis, der sich jede Sekunde neu schrieb, ohne sich zu ändern. Ansichten, Zustände, Verläufe. Drei Stufen, und ich war bis dahin auf der zweiten.
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