Entwicklungstagebuch, Teil 16 · 22. August 2026
„Einheitlich und auf allen Geräten anwendbar, egal ob iOS, macOS oder Android oder Windows, immer gleich schick.“
So kam die Aufgabe von mir. Das klingt nach Geschmack.
Es war eine Messung.
Null
Zwei Stildateien, die der App und die der Website. Beide nennen seit Monaten dieselben zwei Schriften.
Gezählt wurde dann Folgendes:
Schriftdefinitionen null
Verweise auf eine Schriftdatei null
in beiden Dateien
Die Namen standen da. Ausgeliefert wurde keine der beiden Schriften — nie.
Jedes Gerät hat sich seine eigene Ersatzschrift gesucht: eine auf dem iPad und dem Mac, eine andere auf Windows, eine dritte auf Android.
Gemerkt hat es niemand, weil alle Beteiligten auf Apple-Geräten hingesehen haben.
Das ist die unangenehmste Sorte Fehler. Nichts war kaputt, nichts hat gemeldet, keine Prüfung schlug an. Es sah überall ordentlich aus — nur eben überall anders.
Die Zahl, die die Entscheidung abgenommen hat
Bleibt die Frage, was man ausliefert: acht einzelne Schnitte oder eine Schrift mit stufenlosem Gewicht. Normalerweise eine Abwägung zwischen Dateigröße und Bequemlichkeit.
Hier nicht. Gezählt wurde, welche Strichstärken die Stildateien tatsächlich verlangen: 400, 500, 600, 650, 700, 750, 800, 850, 900.
Drei davon gibt es in keinem festen Schnitt.
Eine Schrift mit stufenlosem Gewicht war damit keine Wahl mehr, sondern die einzige Möglichkeit, die vorhandene Gestaltung überhaupt darzustellen.
Und noch etwas kam dazu, das die Frage längst vorentschieden hatte: In der Serverkonfiguration steht seit Wochen, dass Schriften nur vom eigenen Server geladen werden dürfen. Eine Einbindung von außen wäre also ohnehin blockiert worden — und ohne Netz hätte sie sowieso nicht funktioniert.
Eine Sicherheitszeile, geschrieben aus einem ganz anderen Anlass, hatte eine Gestaltungsfrage beantwortet — zwei Monate bevor sie gestellt wurde.
Was „überall gleich“ nicht einschließt
Beim Bauen fiel etwas auf, das die Zusage einschränkt, und es gehört hierher, weil es sonst niemand merkt.
Quer durch die App stehen zweiundvierzig verschiedene Sonderzeichen in einhundertsechzig Vorkommen: Pfeile, geometrische Formen, ein Anker, ein Segelboot, ein Telefon, ein Zahnrad, ein Rettungsring. Der Pfeil allein einundfünfzigmal.
Keines davon steckt in einer der ausgelieferten Schriften. Sie kommen weiterhin vom Betriebssystem — und sechs von ihnen werden auf manchen Geräten farbig gezeichnet und auf anderen einfarbig.
Ein Anker, der auf dem iPad bunt und auf Windows grau ist, ist das genaue Gegenteil dessen, was an dem Tag erreicht werden sollte.
Der ehrliche Weg sind gezeichnete Symbole statt Schriftzeichen. Das steht als eigener Punkt im Heft, nicht als Nebenbemerkung.
Zwei Regeln, die an dem Tag entstanden sind
Die eine: Jeder Verbesserungsvorschlag — eigener wie fremder — kommt zuerst ins Heft, mit Nummer, Herkunft und Status, und wird dann Punkt für Punkt abgearbeitet. Kein Vorschlag lebt nur in einem Prüfbericht, den niemand wieder aufschlägt.
Die andere ist die Lehre aus einem überschriebenen Textbaustein: Jede Lieferung nennt hinzugefügte und entfernte Zeilen gegen den Ausgangsstand.
Eine Prüfsumme sagt, dass eine Datei angekommen ist. Sie sagt nicht, dass sie richtig ist. Achtunddreißig Zeilen dazu und null weg — das hätte den Fehler in dem Moment gezeigt, in dem er entstand, statt zwanzig Minuten später.
Beide Fehler des Tages haben dieselbe Wurzel, und es ist nicht Unachtsamkeit. Es ist die Annahme, eine kleine Änderung brauche das Verfahren nicht.
Was am Abend stand
Dreiundsechzig von dreiundsechzig Seiten mit ausgelieferter Schrift, wo es am Morgen null waren. Die Dokumente zum ersten Mal in einer Sicherung — Angaben und Dateien. Und im Heft ein Register mit fünfunddreißig durchnummerierten Punkten, von denen fünf erledigt sind.
Die Zahlen sind das Ergebnis. Die zwei Regeln sind der Ertrag.
Nachtrag: Aus diesen fünfunddreißig Punkten sind bis zum 28. August hundertsechs geworden, und hundertfünf davon waren an dem Abend erledigt. Das Register ist das Einzige aus dieser Zeit, das ich heute nicht anders machen würde.
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