Entwicklungstagebuch, Teil 39 · 12. September 2026, abends
Gestern der Hintörn, heute früh der Rücktörn nach Hohe Düne — und dann der ganze Tag am Schreibtisch. Vierzig Befunde lagen vom Törn her im Heft und wollten abgearbeitet werden. Was ich nicht erwartet hatte: dass dieser Schreibtischtag nochmal fast genauso viele bringt.
Nur sind es andere. Auf dem Wasser findet man einzelne Fehler — ein falsches Feld, ein fehlender Wert. Heute war es jedes Mal dasselbe, in immer neuer Verkleidung.
Der Bericht ist das, was man unterschreibt
Das habe ich gestern schon geschrieben, und es war der Satz, der die Reihenfolge umgedreht hat. Die Datei darunter sieht nie jemand. Das Blatt sieht jeder. Also fange ich damit an.
Am Vormittag habe ich die Analysen aufgemacht. Im Logbuch steht für 13:30 ein Wind von 11,5 Knoten — in der Auswertung standen 9. Die Zahl der Törns: null, neben vierundneunzig Logbucheinträgen. Gefahrene Seemeilen: auch null. Alles drei war dieselbe Ursache. Die Auswertung las nur, was ich von Hand eingetippt hatte, und ich tippe nichts von Hand ein, wenn die Automatik mitschreibt.
Dann die Hauptseite. Da stand „letzter Törn" und gemeint war ein anderer als der, den ich gerade gefahren hatte. Und bei einem abgeschlossenen Törn haben dort die geplanten Werte gestanden statt der tatsächlichen. Wenn ein Törn vorbei ist, will ich sehen, was gefahren wurde. Nicht, was ich mir vorher ausgedacht habe.
Und dann stand derselbe Törn an drei Stellen verschieden da
Der Törn von heute war abgeschlossen. Beendet. Im Logbuch steht das Törnende.
Im Törnbildschirm stand er als „nicht gestartet". In der Törnplanung stand er unter „Törns aktiv". Auf der Heute-Seite war er weder das eine noch das andere.
Da habe ich der KI geschrieben: Du sollst es nicht nur hinschreiben, das muss ein logischer Prozess sein.
Sie hatte nämlich an drei Bildschirmen je eine Abfrage eingebaut. Drei Antworten auf dieselbe Frage, und keine davon wusste von den anderen. Was ich meine, ist etwas anderes: Gewisse Dinge müssen eine Reaktion hervorrufen. Ein Törnende ist kein Eintrag, der irgendwo herumsteht. Es ist ein Ereignis, und danach ist der Törn zu Ende — überall, in jeder Anzeige, ohne dass jemand das extra nachpflegt.
Genau so ist es jetzt gebaut. Es gibt eine Stelle, die sagt, wo ein Törn in seinem Ablauf steht: geplant, läuft, abgeschlossen. Alle fragen sie. Und weil diese Stelle das Logbuch liest und nicht ein Feld, das jemand von Hand setzt, gilt sie auch für jeden Törn, den ich vor heute gefahren habe.
Dass derselbe Denkfehler zwei Stellen weiter nochmal drinsteckte, hat sich eine halbe Stunde später gezeigt: Beim Ändern eines Törnziels wurde geprüft, ob die *Aufzeichnung* läuft — nicht, ob der *Törn* läuft. Mein Törn lief, das iPad zeichnete gerade nicht auf, und deshalb kam kein Eintrag ins Logbuch. Ein Umbau ist erst fertig, wenn alle mitgezogen sind.
Die Spur, die nicht auf dem Papier stand
Auf dem Rücktörn hat das iPad 1460 Punkte aufgezeichnet. Im Törnbericht war eine Karte aus 44.
Der Grund war ärgerlich einfach: Beim Beenden eines Törns wurde die Aufzeichnung gelöscht. Nicht aus Böswilligkeit — das war mal die Behebung für einen anderen Fehler. Nur war diese Datei der einzige Ort, an dem die feine Spur stand. Der Bericht hat sich seine Karte danach aus den Logbucheinträgen zusammengelegt, und zwischen zwei Einträgen liegen Stunden.
Also: Die Spur wird beim Beenden nicht mehr gelöscht, sie zieht in eine eigene Datei um. Der Bericht holt sie sich von dort. Dann kam heraus, dass ein Törn ohne Plan — und meiner heute war so einer — durch ein Loch fiel und trotzdem keine bekam. Dann fehlte im PDF die Karte ganz, weil der Kartenuntergrund von Apple aus dem Netz kommt und ich am Steg keinen Empfang hatte. Dann zeigte das Papier einen anderen Ausschnitt als der Bildschirm, in den ich gerade hineingezoomt hatte. Und dann war die Linie auf dem Papier dunkelblau, während sie auf dem Schirm orange ist.
Vier Anläufe, bis das Blatt genau das zeigte, was ich vorher auf dem iPad gesehen hatte. Aber jetzt zeigt es das. Die orange Spur durchs Hafenbecken, die Logbucheinträge als gestrichelte Linie mit Punkten darauf, Anfang grün, Ende orange. Und wenn ich draußen keinen Empfang habe, kommt die Spur trotzdem aufs Blatt — dann eben ohne Karte darunter, mit einem Satz, der genau das sagt. Eine Linie ohne Untergrund ist immer noch der gefahrene Weg. Eine fehlende Seite ist gar nichts.
Und du baust nicht weiter, bis ich es sage
Einmal ist mir heute mitten im Prüflauf das Terminal abgebrochen. Fehlermeldung: Eine Quelldatei wurde während des Baus verändert. Die KI hatte weitergebaut, während ich prüfte.
Das geht nicht. Wenn ich baue, prüfe ich einen bestimmten Stand — und wenn sich der unter mir verändert, prüfe ich nichts. Seitdem gilt: Angekündigt ist nicht genug. Geschrieben wird erst, wenn ich den Lauf gemeldet habe.
Ähnlich am Abend: Ich hatte gesagt, baue alles zusammen, kein Stückwerk. Weil ich sonst zehnmal denselben Bau anstoße, für jede Kleinigkeit einzeln.
Was heute anstrengend war
Nicht das Segeln. Das war Sport und Spaß gleichzeitig, auch mit zwei Tagen Prüfprotokoll im Kopf.
Anstrengend war das Prüfen und das Nachdenken darüber, wie man Fehler in dieser App überhaupt noch findet, um sie abstellen zu können. Das ist Arbeit, die niemand sieht und die nirgends auftaucht — außer in dem, was hinterher nicht mehr passiert.
Und ich sehe dabei Dinge, die keine Prüfung sieht. Am Abend liefen 1441 Prüffälle grün durch, und ich habe in unter einer Minute drei Anzeigefehler am Gerät gefunden. Die Prüfung misst die Rechnung. Sie sieht den Bildschirm nicht.
Woran ich das Ganze messe
Ob so ein Logbuch am Ende irgendwo Bestand hat, kann ich nicht versprechen. Das entscheidet nicht die App.
Was ich machen kann: Die Anforderungen an ein Logbuch mindestens erfüllen. Und zwar zusammenhängend — nicht sechs Einzelanzeigen, die jede für sich stimmen und zusammen etwas anderes erzählen. Ein Törn, der beginnt, läuft und endet. Eine Spur, die dazugehört. Einträge, die man nicht heimlich verschieben kann.
Und wenn das alles stimmt, kommt noch etwas dazu, das mir fast genauso wichtig ist: Dann entsteht daraus eine Geschichte. Aus der Segelleidenschaft. Nicht nur ein Nachweis für den Ernstfall, sondern etwas, das man in drei Jahren aufmacht und sieht, wo man überall war.
Heute Abend steht das Blatt zum ersten Mal so da, dass ich es jemandem hinlegen würde.
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