Entwicklungstagebuch · Teil 44

Ein Hinweis ist ein Versprechen

Entwicklungstagebuch, Teil 44 · 16. Oktober 2026, abends

Entwicklungstagebuch, Teil 44 · 16. Oktober 2026, abends

Diese Woche hat die App neben Orca bestehen müssen. Im geteilten Bildschirm, ein Drittel für PELARON, zwei Drittel für die Navigation — so, wie ich sie an Bord wirklich benutze. Dafür war der Schnelleintrag gebaut worden: ein oranges Band am unteren Rand, ein Tipp, und „Motor an" steht im Logbuch, ohne dass Orca zugeht. Dann kamen Reff rein, Reff raus und der Wachwechsel als eigene Knöpfe dazu, und jeder Schnelleintrag weiß jetzt, zu welchem Törn er gehört — auch der ohne Plan. Ein abgeschlossener Törn bekommt keinen Tipp mehr untergeschoben; wer nachträgt, nimmt den Handbogen und sagt es ausdrücklich.

---

Der Dienstag

Dann wollte die Navigation schöner werden, und die App wurde schlechter. Ein Umbau, der die Bereiche ohne Reiterplatz in den Stapel von „Mehr" legen sollte, hat genau diese Bereiche totgelegt. Beim Antippen des Knopfes Törnplanung passierte wieder mal gar nichts. Die Berichtigung dazu scheiterte ebenfalls. Irgendwie funktionierte die gesamte App nur noch sehr eingeschränkt — ich habe es genau so geschrieben, mit vier Ausrufezeichen, und dazu: Arbeit mangelhaft.

Danach habe ich zwei Dinge gesagt. Erstens: zurück auf den Stand, der läuft. Zweitens: Du änderst nix am Design, verstanden? Daraus ist eine Regel geworden, die jetzt im Arbeitsregelwerk steht: Alles, was ändert, wie ein Bildschirm aufgeht, wo der Rückweg sitzt oder wohin ein Knopf führt, ist ein Gestaltungsvorschlag. Dafür kommt zuerst ein Entwurf zum Ansehen, und gebaut wird erst nach einem ausdrücklichen „so wird es gemacht". Eine Dateitabelle mit „ja" ist keine Design-Freigabe.

Mit dieser Regel haben wir dann in einem Abend das gebaut, woran der Umbau gescheitert war — nur andersherum: erst der Zurück-Knopf, den ich seit Tagen wollte. Dann die eine Leiste für jeden geöffneten Bereich, links „Zurück", rechts die Lage-Leuchte. Ich habe mir Beispiele zeigen lassen und geschrieben: So wird es gemacht, in allen Menüpunkten. Als im Entwurf die Wortmarke fehlte, habe ich gefragt: Wo ist das Logo? Als sie im Bordbuch hinter dem Fenstergriff des iPads verschwand, habe ich gesagt: Überprüfe alle Seiten und nicht nur die, die ich zufällig finde. Seitdem wird vor jeder Leiste gemessen, wo Apples Griff liegt.

---

Das falsche Wort

Der eigentliche Punkt der Woche stand seit dem 20. September im Heft und war unangenehm: Auf dem Medizinbogen versprach die App eine „verschlüsselte Sicherung" — und es gab gar keine Verschlüsselung. Die Sicherungsdatei nimmt jede Datei im Dokumentenordner mit, also lagen die persönlichen Medikamente und die Notfallangaben der Crew samt Blutgruppe im Klartext in jeder .pelaron-Datei, die per AirDrop oder über die Wolke wanderte.

Warum mir das wichtig war, ist schnell gesagt: Ich kann nicht meine eigenen Versprechen nicht umsetzen. Das macht sich beim Verkauf ganz schlecht. Eine App, die Bordbuchführung verkaufen will, die vor Gericht Bestand halten soll, darf auf dem eigenen Schirm nicht flunkern.

Die Reparatur kam in zwei Schritten, und die Reihenfolge war mir wichtig. Zuerst wurde der Satz wahr gemacht: „Die Sicherungsdatei ist nicht verschlüsselt — wer sie hat, kann sie lesen", als gelbe Warnung direkt über dem Knopf „Sicherung teilen". Ein falsches Versprechen auf dem Schirm ist schlimmer als keines. Erst danach kam die Verschlüsselung selbst: Die persönlichen Dateien liegen jetzt in einer verschlossenen Hülle in der Sicherung, mit einem eigenen Passwort, das beim Sichern in einem Bogen abgefragt wird. Der Rest der Datei bleibt lesbar — das Logbuch kommt auch ohne Passwort zurück. Und im Kern wacht seitdem ein Prüffall darüber, dass Satz und Wirklichkeit nie wieder auseinanderlaufen: Solange nichts verschlüsselt ist, darf es kein Satz behaupten — und seit die Hülle gebaut ist, muss er es sagen.

Beim Passwort halte ich es wie überall: Ich verwende generell den Schlüsselbund von Apple, sonst kann sich das irgendwann keiner mehr merken. Die App merkt sich das Sicherungspasswort auf Wunsch genau dort — und ausdrücklich nicht in den Einstellungen, denn die wandern selbst in die Sicherung.

Die Probe aufs Exempel war dann der schönste Moment des Tages: die frische Sicherung in der Dateien-App geöffnet und nach dem Namen des persönlichen Medikaments gesucht. Er steht nicht mehr drin. Das Logbuch schon.

Am Abend ist auch der Rest der Baustelle zugegangen. Ein Dateiname aus einem Paket darf kein Pfad mehr sein — ein präpariertes Paket konnte vorher mit einem Namen wie ../ aus dem Dokumentenordner hinausschreiben. Und die Notfallangaben haben ihre eigene Datei bekommen, statt als Feld in der Crewliste zu stecken. Damit ist die Crewliste in der Sicherung wieder lesbar, und in der Hülle liegt nur noch, was wirklich hineingehört. Der Umzug läuft beim ersten Start von selbst, und auf dem Schirm merkt man nichts davon.

---

Komfort ist kein Notfall

Zwischendurch gab es den Knopf, den ich mir gewünscht hatte: Auf langen Seiten — die Ankerwache hat vierzehn Tafeln — erscheint unten rechts eine Navy-Pille „Nach oben", sobald man eine Bildschirmhöhe tief ist. Vier Anläufe hat sie gebraucht: ein Übersetzerfehler, dann ein Messverfahren, das seit iOS 18 schlicht nichts mehr meldet, dann steckte die Pille hinter dem orangen Band. Aber jedes Mal lief es nach der neuen Regel — Entwurf, mein „so wird es gemacht", Messung, nächste Fassung — und nichts anderes ging dabei kaputt.

War das Hin und Her ärgerlich? Ja, natürlich — aber Anfang der Woche war die App in manchen Menüpunkten funktionsunfähig. Der „Nach oben"-Knopf ist dagegen ausschließlich Komfort. Das ist der Unterschied, und die Regel hat ihn spürbar gemacht.

Nebenbei sind noch zwei Dinge ehrlicher geworden. Der Dokumentenscanner ist im schmalen Fenster jetzt gesperrt, mit dem Grund darunter — Apples Kamera legt ihre Knöpfe nach Bildschirmrand, nicht nach Fensterrand, und im Drittel-Fenster lagen Auslöser und Abbrechen schlicht außerhalb. Und als mir auffiel, dass das Menü Dokumente im schmalen Fenster komplett fehlte, war es gar nicht weg: Es lag als sechstes Wort hinter einem Wisch, den nichts ankündigte. Jetzt wandert es unter „Mehr", und die Unterreiterzeile zeigt an der Kante an, wenn sie weitergeht.

---

Was bleibt

Montag hatte der Kern 1622 Prüffälle, heute Abend sind es 1645, und keiner davon ist Zierrat: Einer prüft, dass kein persönliches Wort im Klartext in der Sicherung steht. Die App verspricht nichts mehr, was sie nicht hält — und wenn sie etwas Neues verspricht, steht seit dieser Woche erst ein Entwurf auf dem Tisch und dann mein Wort darunter.

← Zurück zum Entwicklungstagebuch

PELARON entsteht an Bord der Bluebaerry und am Schreibtisch in Erfurt. Fragen, Widerspruch und Fehlermeldungen sind willkommen.