Entwicklungstagebuch · Teil 8

Die Ölmenge, die ich fast erfunden hätte

Entwicklungstagebuch, Teil 8 · 17. August 2026, nachmittags

Entwicklungstagebuch, Teil 8 · 17. August 2026, nachmittags

Eine gute Idee, zwei Stunden Arbeit, ein Test mit vier Motoren — und dann habe ich meinen eigenen Vorschlag wieder eingesammelt.

Warum ich das überhaupt wollte

Beim Ansehen der Motordaten fiel mir auf, dass Öltyp und Ölmenge leer waren.

Und ich wollte das nicht. Ich wollte die Ölmenge vorbelegt haben, um dem Skipper Arbeit abzunehmen. Wer im Frühjahr Öl kauft, soll nicht erst das Handbuch suchen müssen. Die App kennt den Motor — warum trägt sie nicht ein, was der Hersteller angibt?

Das war meine Idee, nicht die der Maschine. Das ist mir wichtig, weil ich sonst so klinge, als hätte ich etwas verhindert, das mir jemand untergeschoben hat.

Ich habe es gebaut. Eine Spanne aus der Motorleistung, wie sie bei kleinen Marinedieseln üblich ist. Zwei Stunden.

Dann habe ich es geprüft

Gegen vier reale Motoren:

MOTOR                RECHNUNG      TATSÄCHLICH
Yanmar 1GM10         1–1,5 l       ca. 1,1 l
Volvo Penta MD7A     1–1,5 l       ca. 2,5 l
Yanmar 3YM30         2,2–3,5 l     ca. 2,9 l
Volvo D2-75          5,5–8,8 l     ca. 5,5 l

Einer von vieren lag außerhalb. Ausgerechnet der, der in meinem eigenen Boot steht.

Kleine Motoren führen verhältnismäßig mehr Öl, als eine Rechnung nach Leistung hergibt.

Eine Spanne, die den wahren Wert nicht enthält, ist schlechter als keine. Wer anderthalb Liter kauft und zweieinhalb braucht, steht am Samstag vor geschlossenen Läden.

Das Ärgerliche daran: Zwei Stunden vorher hatte ich selbst gegen Vorbelegungen argumentiert. Auf demselben Bildschirm steht ein Satz von mir über Berechnungen, die „mit angenommenen Werten arbeiten“.

Und dann hätte ich fast angenommene Werte eingetragen.

Was daraus geworden ist

Geblieben ist etwas Bescheideneres — aber es ist dieselbe Absicht, nur ehrlich gebaut.

Im leeren Feld für die Viskosität steht jetzt ein Beispiel, weil eine falsche Viskositätsklasse nichts verschüttet. Für die Menge steht dort „laut Handbuch“, und darunter ein Satz, der verschwindet, sobald man etwas einträgt:

Beides steht im Motorhandbuch. Einmal eingetragen, steht es im Frühjahr da — dann weißt du beim Ölkauf, was und wie viel, ohne wieder zu suchen.

Das Ziel ist genau das, was ich am Anfang wollte: Der Skipper soll im Frühjahr nicht suchen müssen.

Nur behauptet die App nichts mehr. Sie erinnert daran, es einmal einzutragen.

Achtzig Seemeilen sind kein Suchradius

Am selben Nachmittag der zweite Fall derselben Sorte.

Auf der Hafenseite standen zwei Suchen nebeneinander. Links „Im Bestand suchen“, rechts „Marina oder Ort“. Seit dem Umbau vom Freitag durchsucht die rechte den eigenen Bestand ohnehin mit. Zwei Felder für dieselbe Sache — die linke Karte sollte weg.

Beim Nachsehen steckte in der linken Karte noch etwas anderes: „Ausweichhäfen in der Nähe“. Das sieht wie dieselbe Suche aus und ist eine andere.

Die Marinasuche fragt fünf bis fünfzig Kilometer um GPS oder einen eingegebenen Ort. Das ist Planung am Kartentisch.

Die Ausweichhäfen fragen zwanzig bis achtzig Seemeilen um die aktuelle Position, ausschließlich aus dem eigenen Bestand, mit Peilung und Wetter für die ersten fünf. Das ist Reichweite, und es funktioniert ohne Netz.

Achtzig Seemeilen sind kein Suchradius zum Stöbern. Das ist die Entfernung, in der man einen Hafen sucht, wenn der Wind auf die Nase dreht.

Die Karte ist weg, die Ausweichhäfen sind als dritter Knopf geblieben. Beim Test fand er fünfundzwanzig Häfen im Umkreis von vierzig Seemeilen und zeigte beim ersten gleich das Wetter — alles aus dem Bestand, ohne eine einzige Anfrage ins Netz.

Das ist jetzt das dritte Mal, dass ich zwei Dinge für eine Doppelung gehalten habe und beim Ansehen zwei verschiedene Aufgaben vorfand.

Wer die Bootsmaße eintragen will, braucht keine Legende

Unter „Mein Boot“ standen zwei Karten ohne ein einziges Eingabefeld. Eine hieß „Zentrale Geräte- und Datenquellenverwaltung“ und bestand aus einem Erklärabsatz und einer Legende: Live, Berechnet, Manuell, Geschätzt, Fehler. Die andere zeigte einen Vollständigkeitsbalken.

Beides beschreibt nicht das Boot, sondern woher seine Werte kommen. Das ist eine berechtigte Frage — aber nicht die, die man hat, wenn man Länge, Breite und Tiefgang eintragen will.

Beide sind nach „Erweitert“ gewandert.

Dabei fielen zwei Wegangaben auf, die auf Orte zeigten, die es nicht gibt: „Boot & Stammdaten“ und „Boot konfigurieren → Antrieb“. Beide Namen existieren in der App nicht.

Ein Hinweis, der auf einen erfundenen Ort zeigt, ist schlechter als keiner. Man sucht und findet nichts.

Was das Inventar nicht wusste

Aus der Ölüberlegung kam dann die eigentliche Entdeckung des Tages.

Öl und Ölmenge gehören zum Motor. Impeller, Filter und Anoden gehören ins Inventar — und stehen dort auch.

Nur wusste das Inventar nichts von der Wartung.

Der Serviceeintrag hat ein Textfeld mit dem Platzhalter „Öl und Ölfilter gewechselt, Impeller geprüft“. Man trägt genau das ein, speichert — und der Ölfilter im Inventar steht weiterhin auf eins. Bis irgendwann jemand daran denkt, ins Inventar zu gehen und „minus eins“ zu drücken.

Jetzt gibt es im Servicedialog einen Abschnitt „Verbrauchte Teile“ mit allen Artikeln, die Bestand haben, je mit einem Mengenfeld. Beim Eintragen wird abgebucht. Fällt ein Artikel unter den Mindestbestand, landet er von selbst auf der Einkaufsliste.

Wartung erzeugt Verbrauch. Verbrauch erzeugt Bedarf. Das war immer der Sinn der Sache — es hat nur niemand verkabelt.

Was ich mitnehme

Der Nachmittag hat mir gezeigt, dass meine besten Ideen dieselbe Prüfung brauchen wie alles andere.

Die Ölmenge war meine Idee, aus einem richtigen Motiv, und sie hätte Schaden angerichtet. Vier Motoren nachschlagen hat zwanzig Minuten gedauert.

Eine gute Absicht ersetzt keine Messung. Und wer nur gegen die Fälle prüft, die ihm einfallen, prüft gegen sich selbst.

Der Motor, der die Rechnung widerlegt hat, steht in meinem eigenen Boot. Wenn ich drei andere genommen hätte, wäre die Funktion heute drin.

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