Entwicklungstagebuch, Teil 13 · 21. August 2026
Am Nachmittag kam ein zweiter Prüfbericht zurück. Erstellt nach der Anweisung, die ich am selben Tag geschrieben hatte, von jemandem, der die App nur von außen kennt. Neunzehn Seiten, elf Befunde, Gesamturteil 8,4 von 10 und vier Auflagen, die vor einem bezahlten Start erfüllt sein müssen.
Im Aufgabenheft steht seit dem ersten fremden Bericht eine Regel dazu: Ein fremder Befund ist eine Beobachtung, keine Aufgabe. Vor der Aufnahme klären, womit gemessen wurde.
Genau das habe ich getan. Es kam etwas dabei heraus, mit dem ich nicht gerechnet hatte.
Eine Uhrzeit auf die Millisekunde
Der Bericht nennt seinen Messzeitpunkt selbst, und zwar genau: 2026-08-21T12:04:26.989Z. Das ist 14:04 Ortszeit.
Die Aussagen über die App können aber nicht von 14:04 stammen. Sie beschreiben die verschlüsselte Bildersicherung und einen Offline-Speicher namens pelaron-62.2.0 — beides ging erst am Nachmittag online.
Der Bericht hat also zwei Zeitpunkte: einen für die Website, einen späteren für die App.
Das ist kein Vorwurf. Der Prüfer hat gemessen, was zum Zeitpunkt der Messung dastand, und den Zeitpunkt protokolliert. Nur genau deshalb ließ sich überhaupt feststellen, dass zwei seiner Befunde einen Stand beschreiben, den es abends nicht mehr gab.
Hätte er die Uhrzeit weggelassen, wäre beides ungeprüft in die Aufgabenliste gewandert.
Die Sorgfalt des Prüfers hat seinen eigenen Fehler sichtbar gemacht. Das ist der Unterschied zwischen einem Bericht, dem man glauben muss, und einem, den man nachrechnen kann.
Der Befund, der keiner war
Ein Punkt hieß: In den Hauptansichten stehe wiederholt direkt hintereinander „Anzeigen Anzeigen Anzeigen“ — drei Aktionen ohne unterscheidbaren Namen.
Ich habe die App dafür lokal aufgebaut und den Barrierefreiheitsbaum ausgelesen, den ein Vorleseprogramm benutzt.
Es gibt drei Aufklappbereiche, jeder mit einem eigenen, sprechenden Namen. Das Wort „Anzeigen“ steht nicht im Text, sondern in einer Gestaltungsregel als angehängter Hinweis, und es wechselt beim Öffnen auf „Verbergen“.
Im Barrierefreiheitsbaum: null Treffer. Im sichtbaren Text: null.
Die empfohlene Änderung hätte einen Namen geändert, den niemand hört, an einem Element, das schon einen hat.
Woher kommt der Befund dann? Vermutlich hat das Prüfwerkzeug den gerenderten Text ausgelesen und dabei den Gestaltungshinweis mitgenommen.
Das ist derselbe Fehlertyp, in den ich am selben Vormittag gelaufen war. Ein Skript meldete mir fünfundvierzig Stellen mit dreifacher gleicher Ansage — es zählte in Wahrheit Element, Textknoten und Textzeile desselben einen Elements.
Wir haben denselben Fehler gemacht, unabhängig voneinander, am selben Tag.
Der Knopf, der das Versprechen abräumt
Acht der elf Punkte halten der Nachmessung stand, vier davon konnte ich präziser machen, weil ich in den Quelltext sehen kann und er nicht.
Der schwerste: Ein Knopf in den Einstellungen räumt den Offline-Speicher ab.
Offline zu arbeiten ist nicht eine Eigenschaft von PELARON unter vielen. Es ist das Versprechen. Und der Knopf, der es abräumt, heißt „Wartung“ — gedrückt wird er genau dann, wenn an Bord etwas klemmt, also genau dann, wenn kein Netz da ist, um den Schaden wieder aufzufüllen.
Zwei Preise ohne Quelle
Der Bericht enthält auch eine Marktübersicht mit fünfzehn Produkten. Zwei davon waren bei der eigenen Recherche nicht auffindbar — nicht das Produkt, nicht der Anbieter, nicht der Preis. Bei einem existiert die genannte Firma, aber als Yachtüberführungsunternehmen, nicht als Softwarehaus.
Das heißt nicht, dass es die Produkte nicht gibt. Es heißt, dass hinter einem Preis eine Quelle stehen muss.
Zwei von fünfzehn Zeilen ohne Beleg sind kein Beinbruch — aber sie sind der Grund, warum ich die Tabelle neu erhoben habe, statt sie zu übernehmen.
Was bleibt
Von elf Befunden hält einer der Nachmessung nicht stand. Zwei hängen an einem Stand, den es seit dem Nachmittag nicht mehr gibt. Acht sind richtig.
Das ist eine gute Quote für eine Prüfung von außen, und sie hat sich gelohnt — auch die widerlegten Punkte. Denn das Widerlegen hat mich gezwungen, richtig zu messen statt zu vermuten.
Ein guter Prüfbericht ist nicht der, der recht hat. Es ist der, bei dem man nachrechnen kann, wo er danebenliegt.
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