Entwicklungstagebuch · Teil 23

Der Katalog, der mich beurteilen lässt, was ich nicht beurteilen kann

Entwicklungstagebuch, Teil 23 · 27. August 2026

Entwicklungstagebuch, Teil 23 · 27. August 2026

Der Satz ist mir am Abend vorher gekommen, beim Durchklicken der medizinischen Notfallhilfe in der eigenen App. Ich habe ihn genau so aufgeschrieben:

Der Katalog lässt den Skipper beurteilen, was er nicht beurteilen kann.

Fünfzehn Einträge stehen da drin, von Seekrankheit bis Bewusstlosigkeit. Bei „Mann über Bord“ steht als einer der Schritte:

Auch nach scheinbarer Erholung medizinisch beurteilen lassen.

Klingt vernünftig. Ist es auch — an Land. Dreißig Seemeilen vor der Küste ist es eine Aufgabe an jemanden, der sie nicht erfüllen kann. Ich bin kein Arzt. Ich habe keine Praxis in Reichweite. Und der Satz sagt mir nicht, wen ich stattdessen fragen soll.

Beim Nachdenken darüber ist mir der Unterschied klar geworden, um den es eigentlich geht: was du tust gegen wer entscheidet. Eine Notfallhilfe darf mir das eine abverlangen. Das andere muss sie abgeben.

Sechsmal 112, keinmal Funk

Die KI hat daraufhin alle fünfzehn Einträge durchgezählt, danach, was sie als Weg nach draußen nennen.

Sechsmal steht dort 112. Keinmal UKW Kanal 16.

Das ist kein Schönheitsfehler. Die 112 erreicht in Mobilfunkreichweite eine Leitstelle an Land — und kein Schiff in der Nähe. Bei den meisten Seenotfällen ist das nächste Schiff die schnellste Hilfe. Der Katalog war für Land geschrieben.

Und dann kam die Stelle, an der ich kurz geschluckt habe. Auf dem Notfallbildschirm derselben App steht seit Monaten, direkt unter dem 112-Knopf:

Nur in Mobilfunkreichweite. Auf See ist UKW der sichere Weg — ein Handy erreicht kein Schiff in der Nähe.

Zwei Bildschirme weiter sagt der Katalog sechsmal „sofort 112 anrufen“. Ohne diesen Satz.

Die richtige Auskunft stand in meiner App. Nur nicht dort, wo man entscheidet.

Dasselbe gilt für sechs Sätze, die Hilfe verlangen und nicht sagen wie — „ärztlich abklären“, „professionelle Hilfe anfordern“, „medizinischen Rat einholen“. An Land ist jeder davon vollständig: man fährt zum Arzt. Auf See ist keiner davon vollständig. Und die Antwort gibt es in der App seit ein paar Tagen: funkärztliche Beratung über die Seenotleitstelle, rund um die Uhr. Der Katalog wusste nichts davon.

Geändert wurde der Weg zur Hilfe, nicht die Erste Hilfe. Die Handgriffe bleiben, wie sie sind. Daran rührt niemand von uns, und das ist auch richtig so.

Einmalhandschuhe

Ein Detail am Rande, das ich mir gemerkt habe, weil es so schön dumm ist.

Die erste Zählung meldete zwei Einträge, in denen UKW oder DSC vorkommt. Der eine stimmte. Der andere war der Eintrag zur Schnittwunde — und der Treffer lag mitten im Wort Einmalha-ndsc-huhe.

Eine Suche nach Buchstabenfolgen findet in deutschen Wortungetümen Sachen, die es nicht gibt. Nachgezählt mit richtigen Wortgrenzen: null von fünfzehn.

Die Zahl, die oben steht, ist die zweite Zählung. Nicht die erste.

Ein Knopf, der prüft, was er nicht prüft

Beim Durchsehen einer ganz anderen Sache fiel ein Knopf auf: Verbindungen prüfen, in den technischen Einstellungen.

Er prüft keine Verbindung. Er prüft, ob die eingetippte Adresse richtig geschrieben ist.

Und selbst wenn er wollte, könnte er nicht: Von einer verschlüsselt ausgelieferten Seite kommt eine unverschlüsselte Verbindung zu einem Gerät im Bordnetz gar nicht erst zustande. Der Browser lässt es nicht zu. Der Knopf konnte nie halten, was sein Name verspricht.

Denselben Befund gab es vor ein paar Tagen schon einmal, an einer anderen Stelle. Die zweite ist vier Tage später aufgefallen als die erste.

Wer etwas repariert, sollte am selben Tag nachsehen, wo dasselbe noch steht. Sonst findet man es wieder — nur später.

Der Nachmittag, an dem der Nachweis misslang

Seit dem 22. August steht ein Punkt auf der Liste, der mir wichtiger ist als die meisten: eine Sicherung auf einem leeren zweiten Gerät zurückspielen und nachzählen. Ich behaupte an mehreren Stellen, die Daten gehören dem Nutzer. Belegt war das nie.

Der Versuch am iPad hat drei Befunde geliefert und keinen Nachweis.

Der erste war den ganzen Nachmittag wert. Auf dem iPad ließ sich keine einzige Datei auswählen. Alles grau, sogar fremde PDF.

Die Ursache lag in meiner eigenen App. Die Einspielfelder sagen dem Gerät, welche Dateitypen sie annehmen — und ich habe meinen Sicherungen eigene Endungen gegeben, .pelaron, .pelaronfotos, .pelarondocs. iPadOS kennt die nicht. Was es nicht zuordnen kann, blendet es aus.

Also: Eine Sicherung, die PELARON selbst erzeugt, ließ sich auf einem iPad nicht einspielen. Auf genau dem Gerät, für das die native App gedacht ist. Ohne Entwicklerkonsole hatte ein Nutzer keine Chance.

Belegt haben wir es, indem die Angabe über den Web-Inspector entfernt wurde. Danach ließ sich dieselbe Datei sofort auswählen. Vorher unmöglich, nachher möglich, sonst nichts geändert.

Der zweite und dritte standen auf einem Bildschirm, untereinander. Oben:

Kein Konto eingerichtet. Alles ist auf diesem Gerät gespeichert; es gibt nichts abzugleichen.

Zehn Zentimeter tiefer: 3 Konflikte auf einmal auflösen — mit Versionsnummern.

Ein Kasten sagt, es gebe keine Cloud. Der nächste bietet an, drei Datensätze aus ihr zu übernehmen.

Und der schwerere von beiden: Der hervorgehobene, orange Knopf hieß Alle: Cloud übernehmen. Wer gerade eine Sicherung eingespielt hat, drückt den auffälligen — und macht sie damit unbemerkt zunichte. Der unauffällige weiße war der, der die Wiederherstellung bewahrt.

Der betonte Knopf war der zerstörende.

Warum es trotzdem kein Beweis war

Am Ende standen auf dem iPad einundfünfzig Einträge gegen einundfünfzig auf dem Mac. Neunundvierzig davon aufs Stück gleich. Zwei waren größer, keiner kleiner. Verloren war nichts.

Nur: beide Abweichungen gingen nach oben. Es war mehr da, als in der Sicherung stand. Woher, blieb offen.

Der Grund dafür war ein Fehler der KI, und sie hat ihn deutlich aufgeschrieben: Sie hatte den Ausgangszustand des iPads im privaten Fenster gezählt, gemerkt, dass das die falsche Umgebung ist, eine Wiederholung angefordert — und ist dann ohne sie weitergegangen.

Ohne gemessenen Ausgangszustand ist ein Endzustand kein Beweis. Das ist keine Feinheit. Das ist der ganze Punkt.

Und dann noch mein eigener Fehler

Spät am Nachmittag habe ich die Dateien einer Lieferung hochgeladen — auf pelaron.de statt auf pelaron.app.

Beide Adressen liegen im selben Webspace, direkt nebeneinander, und die Ordner heißen fast gleich. Die Startseite von pelaron.de war überschrieben und musste aus dem Stand vom Vorabend zurückgeholt werden.

Passiert ist es nicht aus Schlamperei. In der Anleitung stand nirgends, wohin. Seitdem steht die Zieladresse in der ersten Zeile jeder Lieferanleitung, groß, vor allem anderen.

Wer eine Anweisung gibt, nennt ihren Ort. Klingt banal. Hat einen halben Tag gekostet.

Was der Tag gezeigt hat

Sechs Lieferungen, sieben neue Punkte, ein misslungener Nachweis.

Der Faden war nicht „etwas fehlte“. Es war: etwas war da und stand am falschen Ort. Der Satz über UKW stand in der App, nur nicht im Katalog. Der Befund über den Knopf stand seit Tagen im Heft, nur für eine andere Datei. Der richtige Ausgangszustand war angefordert, nur nicht abgewartet. Und die Zieladresse der Lieferung war klar, nur nicht aufgeschrieben.

Es ist leichter, etwas Neues zu bauen, als das Vorhandene dorthin zu bringen, wo es gebraucht wird.

Das ist keine Ausrede. Das ist die Arbeit.

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