Entwicklungstagebuch · Teil 37

Einundzwanzig von einundzwanzig

Entwicklungstagebuch, Teil 37 · 10. September 2026, abends

Entwicklungstagebuch, Teil 37 · 10. September 2026, abends

Seit dem 23. August steht in meinem Heft ein Satz, der mich jedes Mal gebremst hat, wenn ich mich über einen Fortschritt freuen wollte: Die Bitbelegungen sind nach der öffentlichen Beschreibung gebaut und unabhängig nachgerechnet — ob das Boot so sendet, entscheidet der Donnerstag. Heute war Donnerstag.

Der Tag hatte zwei Hälften, und die zweite hat die erste in den Schatten gestellt.

Vormittags: der Assistent bekommt einen Schlüssel

Der KI-Assistent besteht aus drei Schritten. Der erste ist die Entscheidung im Kern — welche Stufe eine Frage beantwortet, was mitgeschickt wird, wie eine Antwort und wie ein Fehler zu lesen ist. Zweiundfünfzig Prüffälle, alle grün, und auf dem iPad ist davon nichts zu sehen; das ist so gewollt.

Der zweite ist die Route auf pelaron.app. Die KI hat sie in ihrem Prüfrechner gegen eine Nachbildung der Messages-API laufen lassen, mit MySQL und echtem PHP — sechsunddreißig Prüfungen, dreimal hintereinander. Beim Bauen hat sie eine Entscheidung geändert, die wir vorher zusammen festgelegt hatten: kein Eingriff in die vorhandene index.php, sondern eine eigene Datei. Begründung: In der einen Datei stehen Anmeldung, Sync und Sicherungen der laufenden Cloud, und eine neue Datei kann davon nichts kaputt machen. Das leuchtet mir ein.

Dann das Geld. Ein Konto bei Anthropic, zwanzig Dollar Guthaben, ein Schlüssel — und der trägt ein Ablaufdatum: 10. Oktober. Für eine App, die verkauft werden soll, ist ein Schlüssel, der jeden Monat abläuft, keine Lösung; für den Anfang geht es. Es steht eine Erinnerung für den 5. Oktober.

Die erste echte Frage lief durch: Antwort auf Deutsch, mit Du, und der Zähler auf dem Server stand auf eins. Nur die Netzsuche geht nicht. Fünfmal hintereinander meldet Anthropic „nicht verfügbar", und wir haben ausgeschlossen, woran es liegen könnte — die Freischaltung wäre ein anderer Fehler, die Werkzeugfassung verhält sich in beiden Ausgaben gleich. Das bleibt offen. Ich finde das ärgerlich, aber es ist eingegrenzt, und das ist mehr wert als eine schnelle Vermutung.

Nachmittags: der Anschluss, den niemand fand

Am Boot dann der erste Versuch, und er ging schief: PELARON findet über die Gateway-Suche gar nichts. Das WLAN stand, das iPad hatte eine Adresse, das Gateway antwortete im Browser — und die App suchte ins Leere, hundertneunundvierzig Fehlversuche.

Der Grund stand in den Einstellungen des Gateways, und ich hätte ihn selbst nie dort vermutet: Mein YDWG-02 hat werkseitig nur einen Server an, und zwar auf Anschluss 1456 im RAW-Format. Die 1457, die in jedem Handbuch als Nummer für Yacht Devices steht, ist die für NMEA 0183 — und die war abgeschaltet. Die Suchliste der App kannte die 1456 nicht. Kein einziges Mal.

Ich habe Server #2 eingeschaltet, und dann kam die Zahl, auf die ich seit Wochen gewartet hatte: 1792 Meldungen in der ersten Minute, null Abbrüche. Ich war hocherfreut, dass der Zugang zum Bordnetz so geklappt hat, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Was der Bus wirklich schickt

Zwei Mitschnitte, einer über 0183, einer über RAW. Elftausendsiebenhundert und neunzigtausend Zeilen, beide ohne eine einzige verworfene.

Die vierzehn Satzarten, die der Kern deutet, liegen alle an. Über RAW kommen fünfundvierzig verschiedene PGN von sieben Geräten, und die Schnellpakete — die Nachrichten, die über mehrere Rahmen verteilt sind und die seit dem 28. August nur nachgerechnet waren — setzen sich zu 99,9 Prozent vollständig zusammen. Neun Abbrüche in fünfeinhalb Minuten.

Die beste Probe war eine, die ich gar nicht geplant hatte: Weil ich zwei Mitschnitte auf zwei verschiedenen Wegen gemacht habe, ließen sich die Werte gegeneinander halten. Wassertemperatur in beiden 14,4 Grad, auf das Zehntel. Tiefe 3,36 zu 3,42 Meter bei zwölf Minuten Abstand. Wo zwei unabhängige Wege dasselbe messen, versteckt sich kein Rechenfehler.

Und die Zahlen auf dem Schirm stimmen mit den Instrumenten am Steuerstand. Damit ist die ganze Kette bestätigt, vom Rahmen bis zur Anzeige.

Dass AIS anliegt, war eine Frage, die mir unterwegs kam — und die Antwort ist besser als erhofft: Über die eine Aufzeichnung kommen elfhundert Meldungen, über die andere siebentausend Rahmen, zusammen von hundertsieben verschiedenen Schiffen, einundfünfzig davon mit Namen. BERLIN, ROSTOCKER7, BALTIC TAUCHER II, PILOT BERGEN, WARNOWSTAR. Die App zeichnet das alles auf und deutet nichts davon. Das ist jetzt keine Vermutung mehr, sondern eine Aufgabe mit echten Daten dahinter.

Der Motor sendet bei der Bluebaerry nichts — kein Byte. Dafür liegen Windmesser, AIS und Tiefe an. Die App hat mir das von selbst gesagt, unter „Was dieses Boot nicht sendet", und zwar genau die sechs, die auch die Auswertung fand. Motorstunden bleiben Handeintrag. Das ist kein Fehler, das ist eine Tatsache über mein Boot, und es ist gut, sie zu kennen, bevor man sich darauf verlässt.

Der Zufall

Dann habe ich am iPad das WLAN aus- und wieder eingeschaltet, weil in der Prüfliste steht, dass die Verbindung von allein zurückkommen soll. Sie kam nicht. Auf dem Schirm stand weiter „läuft", und darunter „letzte Meldung vor 0 s" — aber der Zähler wuchs nicht mehr.

Ob ich das mit Absicht so genau angesehen habe? Nein. Zufall.

Die Ursache war ein Verhalten, das ich vorher nicht kannte: Eine TCP-Verbindung, der man das Netz unter den Füßen wegzieht, meldet keinen Fehler. Sie bleibt halb offen und wartet auf Daten, die nie kommen. Und weil kein Fehler kommt, lief die Wiederverbindung nie an, die seit zwei Wochen alles Richtige tut. Dazu kam, dass nichts die Anzeige altern ließ — ohne neue Meldung zeichnet der Bildschirm nicht neu, also blieb „vor 0 s" einfach stehen.

Genau das, was in unserem eigenen Heft steht: verbunden ist nicht dasselbe wie es kommt etwas an. Nur eben in der App, die den Satz erfunden hat.

Gefährlich ist das nicht wegen der Anzeige. Es ist gefährlich, weil die Ankerwache genau diese Auskunft abfragt. Eine Nacht mit wackligem WLAN, und niemand hätte gewacht.

Am Boot gebaut

Ich hatte das MacBook dabei, also haben wir es gleich gebaut. Zwei Wachen, weil es zwei Ursachen gibt: Eine schlägt jede Sekunde nach, wie alt die letzte Meldung ist, und lässt die Anzeige altern; die andere merkt den Netzwechsel sofort, statt zwanzig Sekunden zu warten. Dazu die 1456 an die erste Stelle der Suchliste, mit einer neuen Herkunftsangabe, die es vorher nicht gab: am Boot gemessen. Die steht jetzt über „dokumentiert", und sie hat sich heute verdient.

Zweimal ist der Prüflauf durchgefallen, beide Male an alten Prüffällen, die etwas bewachten, das ich verschoben hatte. Nach dem ersten hat die KI einzeln geflickt; erst nach dem zweiten hat sie alle Stellen abgesucht. Sie hat das selbst so ins Heft geschrieben, mit dem Satz, dass es nach dem ersten hätte kommen müssen.

Dann ging es durch, elfhundertfünfundzwanzig Prüffälle. Die Suche findet die 1456 jetzt beim ersten Anklopfen — statt hundertneunundvierzig Fehlversuchen stehen dort null. WLAN aus: sofort eine Meldung, und nach dem Einschalten war sie sofort zurück. Gateway aus: die Meldung kam, wie angekündigt.

Was noch fehlt

Nach dem Wiedereinschalten des Gateways kam die Verbindung nicht zurück, und sie stand drei Minuten auf „verbindet", ohne ein Wort. Zwei Dinge dahinter: Mein YDWG ist das WLAN — schaltet man es aus, verschwindet das Netz, und das iPad springt ins Hafennetz. Dort ist das Gateway nicht erreichbar, und genau das hat die App gemeldet, nur auf Englisch und erst nach sechzig Sekunden. Und die Wache, die wir eine Stunde vorher gebaut hatten, schaut bei einem laufenden Verbindungsversuch weg. Beides steht im Heft, beides wird morgen früh gebaut.

Das Hafennetz abzuschalten kam übrigens nicht in Frage — das brauche ich.

Zwei Hälften

Vormittags ein Schlüssel, ein Guthaben und eine Route, die läuft. Abends ein Bordnetz, das zum ersten Mal wirklich spricht, hundertsieben Schiffe in der Umgebung und ein Fehler, den kein Prüffall am Schreibtisch je gezeigt hätte.

Welche Hälfte sich nach mehr anfühlt? Na ganz klar Boot.

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PELARON entsteht an Bord der Bluebaerry und am Schreibtisch in Erfurt. Fragen, Widerspruch und Fehlermeldungen sind willkommen.